„Wie oft stehen Sie im normalen sonntäglichen Gottesdienst auf?“

Die BAMF-Richter wissen es genauer als die Christen: stehen oder sitzen?

Nun ja, ich als derzeitiger Katholik würde sagen: mehr als ein halbes Dutzend, was sicher richtig ist. Als ehemaliger evangelischer Christ meine ich: viermal. Und als ein auch charismatischen Gottesdiensten beiwohnender Gast schätze ich: hundert Mal (bei jedem Lied).

Als Diplomtheologe (Evangelische Theologie) würde ich allerdings sagen: diese Frage ist Chuzpe, was Jiddisch ist. Bullshit heißen solche Fangfragen auf Englisch.

Denn: was für eine Rolle spielt es, wie häufig wir im Gottesdienst aufstehen? Dogmatisch geklärt ist die Art der Ehrerbietung gegenüber Gott und seinen Amtsträgern nicht; viele Ältere z.B. und auch Kranke verzichten auf diese äußeren Formen der Ehrerbietung. Und: gibt es einen Taufunterricht (Katechese), wo diese Fragen gelehrt werden?

Besonders widerlich ist diese Fangfrage, weil sie völlig unverständlich ist: es gibt gar keine ‚weltliche Hauptstadt des christlichen Glaubens‘ – der Fangfragende hat zu viel von dem eigenen Bullshit inhaliert:

Was ist die weltliche Hauptstadt des christlichen Glaubens?

In einer Zeit, wo die meisten nicht mehr wissen, warum Jesus gekreuzigt wurde und was zu Ostern mit ihm geschah, muten diese Fragen besonders weltfremd an. Es sind Fangfragen eben.

Pastor Gottfried Martens schreibt:

Aus der Serie „Fragen in Anhörungen, mit denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erkennt, ob jemand ein wirklicher Christ ist oder nicht“:

„Wie oft stehen Sie im normalen sonntäglichen Gottesdienst auf?“

Es sind ja mehr als zehn Male. Ob die Anhörerin auch nur annähernd beurteilen konnte, ob diese Antwort richtig war? Jedenfalls fuhr sie dann gleich mit der nächsten Frage fort: „Was ist die weltliche Hauptstadt des christlichen Glaubens?“ Tja, wer als Christ seine „weltliche Hauptstadt“ nicht kennt, wird dafür dann wieder in die iranische Hauptstadt zurückgeschickt …