Wenn aus einer Anhörung ein Inquisitionstribunal wird

Einem Flüchtling soll systematisch sein Glauben ausgeredet werden: ein Skandal!

Ein Flüchtling lebt grundsätzlich in einer prekären Lebenslage: neues Land, neue Sprache, neue Sitten – und vielleicht auch eine neue Religion.

Statt sich über einen Flüchtling zu freuen, der die Mehrheitsreligion seines neuen Gastlandes gut heißt – und sozial nicht auffällig ist und keine Bomben wirft, soll ihm der Faktor Religion der ihn offensichtlich stabilisiert, systematisch madig gemacht werden: unglaublich!

Lesen Sie selbst, was Pastor Gottfried Martens am 29.11.2016 auf Facebook postet:

Aus dem Protokoll einer Anhörung – oder soll man besser sagen: eines Tribunals? – beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Der Antragsteller war im Iran in einer Hausgemeinde, die von einem armenischen Christen geleitet wurde:

F: Was haben Sie in Deutschland in Bezug auf Ihr Christentum unternommen?
A: Ich bin in die Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeitsgemeinde von Pastor Martens in Berlin-Steglitz gegangen.
F: Wieso sind Sie ausgerechnet dorthin gegangen?
A: Weil in dieser Gemeinde auch alles auf Persisch übersetzt wird,
F: Da gibt es auch in Berlin noch andere Gemeinden, bei denen das ebenfalls der Fall ist.
A: Als ich in Deutschland war, habe ich die Leute in meinem Notaufnahmelager nach einer Kirche gefragt. Die Leute haben mir dann diese Adresse genannt.
F: Haben Sie auch andere Kirchen ausprobiert?
A: Nein, von Anfang an war ich in dieser Kirche.
F: Und warum ausgerechnet diese Kirche?
A: Weil ich diese Adresse erhalten habe und weil man dort Persisch spricht.
F: Ja, aber warum haben Sie nicht auch andere Kirchen ausprobiert, in denen man auch Persisch spricht?
A: Für mich war die Hauptsache, dass ich eine Kirche finde, in welcher man Persisch spricht. Es gibt keine Unterschiede, ich wollte einfach in eine Kirche gehen, die ich verstehen kann.
F: Zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen gibt es aber schon sehr, sehr große Unterschiede. Was ich z.B. nicht verstehe: Sie haben im Iran das Christentum von armenischen Freunden gelernt. Gleichwohl haben Sie sich in Berlin keine armenische Kirche gesucht, sondern Sie sind in eine evangelikale Freikirche gegangen:
(Anmerkung G.M.: Der Anhörer weiß offenbar weder, dass in armenischen Kirchen kein Persisch gesprochen wird, noch ist ihm bekannt, dass unsere Gemeinde überhaupt keine „evangelikale Freikirche“ ist.)
A: Zwischen den Konfessionen im Islam gibt es Kriege und Gewalt. Bei den christlichen Konfessionen habe ich das nicht gesehen. Mein Interesse ging in die Richtung Protestanten.
F: Wenn Sie bei den christlichen Konfessionen nicht gesehen haben, dass es dort auch sehr lange sehr viele blutige Kriege und gewalttätige Auseinandersetzungen gab, dann kennen Sie sich im Christentum aber wirklich sehr schlecht aus.
(Anmerkung G.M.: Ein Mensch, der in seiner Hauskirche im Iran einfach nur von seinem Herrn und Heiland Jesus Christus gehört hat, der für ihn am Kreuz gestorben ist, kennt sich also im Christentum „wirklich sehr schlecht aus“, weil er nicht genügend europäische Kirchengeschichte studiert hat!)
A: Leute, die Kriege führen, kann man nicht als Christen bezeichnen, weil sie gegen die Gebote Jesu Christi verstoßen.

(Das Verhör geht dann weiter. Der Anhörer befragt den Angehörten nach den Unterschieden zwischen der armenischen Kirche – die der Antragsteller nie kennengelernt hat – und den protestantischen Kirchen. Er hält ihm einen Vortrag über die Arianer und reitet dann weiter auf den Armeniern herum:
„was ich immer noch nicht verstehe ist, warum Sie sich in Berlin keine armenische Kirche gesucht haben.“)

F: Was fasziniert Sie am Christentum?
A: Was Jesus Christus für uns getan hat: dass Gott sich in einen menschlichen Körper gewandelt und geopfert hat. Das hat mich fasziniert. … Wenn man Christ wird, dann bekommt man ein neues Leben. Die Sünden werden vergeben und dadurch ist man gerettet.

F: Kennen Sie das Glaubensbekenntnis?
A: Ich glaube an meinen Gott Jesus Christus. Gott hat mir den Heiligen Geist in meine Seele getan. Weil ich daran glaube, bekomme ich auch die Taufe. Ich bin heute ein Kind Gottes. Ich bekomme sein Heiliges auch zum Erbe. Ich werde keinen anderen Gott haben außer Jesus Christus. Ich glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

F: Das Glaubensbekenntnis wird in jedem Gottesdienst gesprochen. Auch ich kann es auswendig. Wie kommt es, dass obwohl Sie einen Taufkurs besucht haben und obwohl Ihre Taufe in zwei Wochen bevorsteht, nichts, aber auch wirklich nichts von dem, was Sie eben gesagt haben, mit dem Glaubensbekenntnis übereinstimmt.

(Anmerkung G.M.: Ich überlasse es den Lesern zu beurteilen, ob „nichts, aber auch wirklich nichts von dem“, was der Antragsteller gesagt hat, mit dem Glaubensbekenntnis übereinstimmt. Wenn der Anhörer uns schon für eine evangelikale Freikirche hält, müsste er eigentlich wissen, dass in evangelikalen Freikirchen auf das persönliche Bekenntnis und nicht auf formulierte Bekenntnisse Wert gelegt wird …
So geht die Anhörung weiter. Es folgen Fragen wie: „Sagt Ihnen der Ortsname Wittenberg etwas?“ (Der Antragsteller antwortet darauf korrekt!)

noch ein Auszug aus dem Ende des Interviews:

A: Das ist meine Pflicht, dass ich sagen muss, dass ich Christ bin. Ich habe in diesem Weg meine Rettung gesehen.

F: Ich verstehe nicht ganz, dass es Ihre Pflicht ist, im Iran zu sagen, dass Sie Christ sind.
A: Das ist meine Verantwortung, weil ich diese Religion so liebe. Wenn ich gefragt werde, dann antworte ich so; sonst nicht.

F: Wenn Sie diese Religion so lieben, dann verstehe ich nicht, wieso Sie über diese Religion – trotz Taufunterrichts! – so gut wie nichts wissen.
A: Ich bin neu und lerne noch. Und ich werde immer weiter lernen. Ich denke, dass ich nicht wenig Ahnung habe.

Anmerkung G.M.: Ich überlasse es dem Leser/der Leserin, sich ein Urteil darüber zu bilden, wie man im BAMF die Ernsthaftigkeit des Glaubenswechsels von christlichen Flüchtlingen überprüft.