Früchte des Zweiten Vatikanums

Geradezu prophetisch, wie uns das Zweite Vatikanische Konzil den Weg in das dritte Jahrtausend öffnet

Berlin, 27.Juli 2018

Vor gut einem halben Jahrhundert endete das Zweite Vatikanische Konzil. Wie kaum ein anderes Konzil vor ihm konnte es Dekrete und Konstitutionen fassen, die ohne äußere Not waren – wie vielleicht nur das allererste Konzil in Jerusalem zur Zeit der Apostel.

Denn vielfach tagten Konzile, die auf Bedrohungen reagierten, meist auf Irrlehren. Viele meinen, dass Zweite Vatikanische Konzil sei nur ‚pastoral‘ zu verstehen. Sicher aber ist es vielmehr.

Von Globalisierung des Handels und weltweitem religiösem Terrorismus war vor fünfzig Jahren noch nicht die Rede. Umso bemerkenswerter ist es, wenn das Konzil vorgreifend wichtige Antworten gab.

  1. Volkssprachliche Liturgie: das Neue Testament ist in Griechisch verfasst, der damaligen Verkehrssprache (lingua franca) des Römischen Reiches. Wie Paulus sagt, will er lieber fünf Worte mit dem Verstand reden, als zehntausend in Zungen (I Kor 14,19). Gegen die Reformation musste das Recht des Lehramtes verteidigt werden, der lateinische Messe Geltung zu verschaffen. Es ist eine Tat von großer evangelistischer Tragweite, wenn das Volk wieder mit dem Verstand mitbeten und opfern kann.
  2. Katechismus: wer den Katechismus des Zweiten Vatikanums kennt, der möchte gerne Halleluja rufen, so gut ist er geworden. Und die ganze Tradition der Kirche kommt in ihm in reichem Maße vor. Auf viele Fragen von heute gibt er eine Antwort. Endlich kann jeder für wenig Geld wissen, was er katholisch glaubt.
  3. Kirchenverständnis: Mit der Formulierung, wonach die Kirche in dieser Weltzeit (in hoc mundo) in der katholischen Kirche verwirklicht ist (subsistit in Ecclesia catholica; Lumen gentium 8,2), schwächt die katholische Kirche ihren Heilsanspruch nicht ab, wie viele vermuten, sondern bekräftigt ihn geradezu. Denn die Wendung subsistit in wird in den 24 Thesen zur thomistischen Philosophie genutzt, um Absolutheit auszudrücken (vgl. DH 3603). Das est wird wiederum für die mystische Kirche aller Zeiten benutzt, die auch alle Christgläubigen der Ostkirchen und Gemeinschaften der Reformation umfasst.
  4. Judentum: Es gibt nur einen Erlöser in Jesus Christus, der das Licht der Völker ist, wie Lumen gentium gleich im Eingangssatz feststellt (1, 1). Das Judentum hat Anteil „von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Zweige des wilden Ölbaums der Heiden eingepfropft sind (Nostra aetate 4,2). Damit antwortet das Konzil auf die Gräuel der Judenverfolgung in Auschwitz.
  5. Religionsfreiheit: So wie Maria in Bethlehem die Huldigungen der krassen Heiden in Gestalt der fremdländischen Könige an der Krippe entgegennahm, so erklärte die katholische Kirche zu allen Zeiten: „Die katholische Kirche verwirft nichts von dem, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“(Nostra aetate 2,2) Geradezu prophetisch reicht die Kirchen den anderen Völkern die Hand – und erkennt das Gute im „Strahl jener Wahrheit“(Nostra aetate 2,2) an.
  6. Eucharistisches Opfer: Die Eucharistie ist „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“(Lumen gentium 11,1). Und weiter steht in ebendieser dogmatischen Konstitution der so wichtige Satz, wonach unser eigenes Opfer in das Christi einbezogen wird: „Dass sie in besonderer Weise auch mit dem für das Heil der Welt leidenden Christus geeint werden, sollen diejenigen wissen, die durch Armut, Schwachheit, Krankheit und vielfältige Kümmernisse niedergedrückt werden“(LG 41,6).
  7. Thomas von Aquin: Der engelgleiche Lehrer wird in der Priesterausbildung dringend empfohlen, „um die Heilsmysterien […] tiefer zu durchdringen“(Optatam totius 16,3).

Ist es wirklich denkbar, wenn wir in unserer Kirche leben müssten, die mit ihrem Latein buchstäblich am Ende ist, weil sie nicht die Kraft gefunden hätte, auf Fragen der Zeit zu antworten?

Lieber Jesus, wunderbar ist es, dass wir Katholiken so gut beschützt werden von dir – und im Fahrwasser der Versammlung aller Bischöfe leben dürfen! Amen.