„aus asyltaktischen Gründen“

BAMF: Wer fehlerfrei seinen Glauben bekennen kann, muss erst recht ein Heuchler sein!

Die BAMF-Richter urteilen wie weiland Roland Freisler vor dem so genannten ‚Volksgerichtshof‘: wer auch immer die besten denkbaren Argumente vorbringen kann, er muss ein Lügner sein, wenn er nicht das sagt, was dem deutschen Richter ins Weltbild passt.

Die perverse Logik der BAMF-Richter:

  1. Die BAMF-Richter haben immer Recht.
  2. Dieser Satz wird bewiesen durch folgende Beweiskette:
  3. a. Wer seinen Glauben in deren Augen ‚lückenhaft‘ bekennt – muss ein Heuchler sein.
  4. b. Wer seinen Glauben vollständig und ohne ‚Lücken‘ bekennen kann – muss erst recht ein Heuchler sein, da er vorher alles lügnerisch auswendig gelernt haben muss.

Wären die BAMF-Richter Neonazis, so könnte man diese unbeschreiblichen Rechtsverdrehungen noch verstehen, aber „im Namen des deutschen Volkes“?

Lesen Sie bitte selbst, was Pastor Gottfried Martens am heutigen 2.Advent 2016 auf Facebook postet:

Heute kam wieder eine kirchlich sehr engagierte Familie aus unserer Gemeinde zu uns, die gerade den Bescheid über die Ablehnung ihres Asylantrags erhalten hatte, wie so viele andere auch. In ihrem Interview hatten sie sich ganz ordentlich geschlagen, kannten nicht nur den Taufspruch und das Vaterunser, sondern konnten auch Auskunft geben über die Realpräsenz und die Gottheit Christi. Sie kannten die christlichen Feste mit Datum, ja sogar den Namen des aktuellen Papstes – den man ja auf jeden Fall kennen muss, wenn man sich als iranischer Flüchtling in einer lutherischen Gemeinde dem christlichen Glauben zugewandt hat. Auch hatten sie über ihre kirchlichen Aktivitäten berichtet und von der persönlichen Erfahrung einer Gebetserhörung. Der Mann hatte auch beschrieben, wie er missionarische Gespräche mit Muslimen führt.
Daraufhin hatte ich für die Familie eine pfarramtliche Bescheinigung geschrieben, aus der ich – natürlich anonymisiert – zitiere:
„An diesem (farsisprachigen) Taufunterricht nahmen Herr X und Frau Y ganz regelmäßig teil. Ebenso kamen sie mit großer Treue zu unseren Gottesdiensten und Persischen Bibelstunden und Bibeltagen. Man konnte bei ihnen richtig miterleben, wie sie die Botschaft des christlichen Glaubens voller Freude und Interesse in sich aufnahmen und immer mehr davon haben und wissen wollten. Ebenso erlebte ich mit, mit was für einer Begeisterung ihre Tochter an unserem Kindergottesdienst teilnahm und mit was für einer Freude sie jeden Sonntag geradezu in die Kirche stürmte. Mir wurde bei dieser Familie schon in der Zeit des Taufunterrichts sehr klar, mit was für einem Ernst sie den christlichen Glauben für sich angenommen hatte. Am Ende des Taufunterrichts konnten Herr X und Frau Y in ihrer Taufprüfung sehr überzeugend darlegen, warum sie sich dem christlichen Glauben zugewandt hatten. Auch kannten sie sich in den Grundlagen des christlichen Glaubens, wie sie in unserer lutherischen Kirche im Kleinen Katechismus Martin Luthers zusammengefasst sind, gut aus. So hatte ich nach den Gesprächen, die ich mit ihnen und gerade auch mit ihrer Tochter zuvor bereits geführt hatte, und nach der Taufprüfung keine Bedenken, der ganzen Familie am … die Heilige Taufe zu spenden. Bei ihrer Taufe sagten sich Herr X und Frau Y öffentlich los vom Islam und bekannte ihren Glauben an den dreieinigen Gott. Im selben Gottesdienst empfingen sie auch zum ersten Mal die Heilige Kommunion.
Seit ihrer Taufe kommen Herr X und Frau Y weiterhin gemeinsam mit ihrer Tochter mit großer Treue zu unseren Gottesdiensten, nicht nur am Sonntag, sondern oft auch am Mittwoch, und empfangen nun jedes Mal auch die Heilige Kommunion. Besonders Herr X hat in diesen vergangenen Monaten seit seiner Taufe seinen Glauben immer noch weiter vertieft; er beteiligt sich sehr intensiv an den Gesprächen in unseren Bibelstunden. Auch postet er ganz regelmäßig sehr schöne christliche Inhalte auf seiner Facebook-Seite und zeigt damit auch, wie er sich mit dem christlichen Glauben nicht nur hier in der Kirche, sondern auch persönlich beschäftigt. Ein besonderes Augenmerk legen Herr X und Frau Y darauf, auch ihrer Tochter das Hineinwachsen in den christlichen Glauben zu ermöglichen. So hat ihre Tochter mit großer Begeisterung in diesem Jahr an unserer Kinderbibelwoche teilgenommen und gehört mit zum festen Stamm unseres Kindergottesdienstes. Ich gehe davon aus, dass sie nun auch bei den Vorbereitungen unseres Krippenspiels fest mit dabei sein wird. Herr X und Frau Y helfen auch ganz praktisch in unserer Gemeinde mit, zum Beispiel bei der Vorbereitung gemeinsamer Mittagessen. Sie sind in unserer Gemeinde fest verwurzelt und gehören mittlerweile längst zum festen Stamm der Gemeinde.
Aufgrund meiner Erfahrungen und Gespräche mit Herrn X und Frau Y und auch ihrer Tochter bin ich von der Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ohne jede Einschränkung fest überzeugt. Ich kann bei ihnen keine Anzeichen dafür erkennen, dass sie diese Hinwendung aus glaubensfremden oder gar asyltaktischen Gründen vollzogen haben könnten. Ich erlebe die ganze Familie als tiefgläubige Christen, die ihren Glauben an Jesus Christus mit Freude, Überzeugung und Hingabe praktizieren. …
Uns liegt daran, Taufbewerber sehr gründlich auf ihre Taufe vorzubereiten. Dies geschieht in einem 3-4monatigen muttersprachlichen Taufunterricht, der durch Besuche von Gottesdiensten und Bibelstunden ergänzt wird. Am Ende wird eine Taufprüfung durchgeführt, bei der wir uns in jedem einzelnen Fall davon überzeugen, dass der Taufbewerber sich ernsthaft dem christlichen Glauben zugewandt hat und sich in den Grundlagen des christlichen Glaubens auskennt. Wo wir diese Überzeugung nicht gewinnen können, wird die Taufe verweigert, was bei etwa 20% der Geprüften der Fall ist. Keinesfalls wollen wir unsere kirchliche Arbeit zur Verbesserung der Chancen in einem Asylverfahren missbrauchen lassen, geschweige denn, dass wir Asylbewerber mit solchen Versprechen anlocken. … Von der Seriosität unserer Arbeit haben sich im Übrigen in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Medienvertreter überzeugen können. Auch Vertretern des BAMF steht es selbstverständlich frei, sich jederzeit bei uns vor Ort selber ein Bild von unserer Arbeit zu machen. Wir haben hier nichts zu verbergen. “
Daraufhin erhielt die Familie nun den Bescheid über die Ablehnung ihres Asylantrags – mit der ausdrücklichen Bestätigung, dass die pfarramtliche Bescheinigung dem Bundesamt bei seiner Entscheidung vorlag. Ich zitiere daraus:
„Die Antragsteller erwecken durch ihren Sachvortrag vielmehr den Eindruck, sie bevorzugen ein westliches, von der freien Entfaltung der Persönlichkeit geprägtes Werte- und Lebenskonzept und sehen in der Hinwendung zum Christentum eine erfolgversprechende Möglichkeit, dieses im Bundesgebiet zu leben. … Über das schablonenhafte Vorbringen vieler Konvertiten hinaus bezüglich eines freiheitlich geprägten Lebensstils und eines von Liebe, Frieden und Freiheit geprägten Miteinanders machten die Antragsteller keine Angaben, die geeignet gewesen wären, eine ernsthafte Hinwendung zum Christentum anzunehmen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die christliche Religion die Antragsteller in ihrer Identität nachhaltig geprägt hätte und Ausdruck einer echten und tiefen inneren Überzeugung wäre. …
Die Ausführungen zur derzeitigen Glaubenspraxis der Antragsteller, also insbesondere Nutzungen der Veranstaltungsangebote und Gottesdienste der persischsprachigen Gemeinde, sind durchaus glaubhaft und auch nachvollziehbar. Eine enge persönliche Gottesbindung mit dem dauerhaften, ernsthaften Bedürfnis, ein zentral christlich geprägtes Leben weiterhin in Deutschland und dann auch in der Heimat zu führen, ist jedoch daraus nicht überzeugend erkennbar. Vielmehr ist offensichtlich und wird durch die eigenen Ausführungen untermauert, dass sich die Antragsteller nicht eine Kirche in Wohnortnähe gesucht haben, um ihren Glauben zu praktizieren, sondern in erster Linie die Gemeinschaft zu anderen Menschen aus ihrem Herkunftsland suchten und pflegen.
Vielmehr ist anzuführen, dass die freikirchliche Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeitsgemeinde Berlin-Steglitz und Pfarrer Martens dem Bundesamt aus einer Vielzahl von Fällen bekannt ist. Die Gemeinde gilt nach Kenntnis des Bundesamtes als zentraler Treffpunkt und erste Anlaufstelle iranischer Asylbewerber in Berlin, auch da Dr. Martens als Spezialist für das deutsche Asylrecht bekannt sei, der nach eigenen Angaben alles versuche, damit die Menschen in Deutschland bleiben können (Anmerkung G.M.: Es folgt ein Link zu einem Tagesspiegel-Artikel aus dem Jahr 2013).
Es liegt nahe, dass iranische Asylbewerber bei derartigen Treffen, die z.B. in Form von persischsprachigen Bibelkreisen, (Anmerkung G.M.: An dieser Stelle hat sich der Entscheider noch nicht einmal die Mühe gegeben, die von ihm verwendeten Satzbausteine grammatisch sinnvoll aneinanderzufügen) miteinander auch über ihre Situation und erfolgversprechende Möglichkeiten, einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu erhalten, sprechen. Als eine solche Möglichkeit wird insbesondere die Konversion zum Christentum gesehen, die inzwischen in fast allen Asylverfahren von Iranern vorgetragen wird.
Es ist aus Sicht des Unterzeichnenden davon auszugehen, dass die Antragsteller sich durchaus bewusst sind, dass ihre Taufe asyl- und flüchtlingsrelevant sein kann und sie sich deshalb im Bundesgebiet gezielt der freikirchlichen Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitsgemeinde Berlin-Steglitz zuwandten. Die Antragsteller wirken – auch unter Würdigung des jeweiligen Bildungsgrades und Werdeganges – wie jemand, für die der christlich-freiheitliche Lebensstil eine gute Alternative ist, aus der jedoch für sie keine religiös begründete verbindlich-christliche Lebensgestaltung resultiert. …
Es ist somit aus Sicht des Unterzeichnenden offensichtlich, dass die Hinwendung der Antragsteller zum Christentum bei dem für seine asylrechtlichen Kenntnisse bekannten Pfarrer Martens der persischsprachigen freikirchlichen Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitsgemeinde Berlin-Steglitz allein aus asyltaktischen Gründen erfolgte. In eben diesem Lichte sind auch die Ankündigungen der Antragsteller zu werten, dass sie, sofern der Iran befreit sei, auch in der Islamischen Republik Iran missionarisch aktiv sein wollen. Es erscheint offensichtlich, dass die Antragsteller auch dies aus asyltaktischen Gründen vorbrachten, zumal sie durch Pfarrer Martens, den vermeintlichen Spezialisten für das deutsche Asylrecht, sicherlich über die Folgen der Konversion und einer Missionierung aufgeklärt wurden.“
Ich breche das Zitat dieser unsäglichen Ausführungen hier ab. Das Bundesamt lässt allmählich die Katze aus dem Sack: Wer nicht in die nächstgelegene landeskirchliche Gemeinde um die Ecke geht, sondern in eine angeblich „freikirchliche“ Gemeinde (dass unsere Dreieinigkeits-Gemeinde gar keine freikirchliche Gemeinde ist, hat der Entscheider offenbar noch nicht mitbekommen), zeigt damit, dass er sich nicht ernsthaft dem christlichen Glauben zugewandt hat. Wer in die falsche Kirche geht, zeigt damit, dass er ein Asylbetrüger ist. Es ist fast 200 Jahre her, dass in dieser Gegend Deutschlands schon einmal lutherische Christen mit Gefängnis und anderen Schikanen bedroht wurden, weil sie sich weigerten, in die nächstgelegene staatskirchliche Gemeinde zu gehen. Das Bundesamt nimmt diese Tradition ungebrochen auf – und verhängt mit der Abschiebung in den Iran nun noch härtere Sanktionen, als der preußische Staat dies vor 200 Jahren tat. Dass man dabei zugleich auch vor den oben zitierten bösartigen Verleumdungen unserer Arbeit nicht zurückschreckt, passt ins Bild. Dazu zählt auch das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat aus dem Tagesspiegel, in dem ich von den Christen aus unserer Gemeinde gesprochen hatte und das nun zusammenhanglos den Eindruck erweckt, als ob ich beliebig alle Menschen in Deutschland halten wolle. Auch dies passt in die offenkundig „postfaktische“ Argumentation des Entscheiders, der sich durch eine pfarramtliche Bescheinigung nicht in seinen eigenen Fantasiekonstrukten über die Gestalt unserer Gemeindearbeit irritieren lassen möchte.
Das Ergebnis ist klar und eindeutig: Wer sich in der falschen Kirche taufen lässt, muss zurück in den Iran. Trösten wir uns mit der Predigtlesung des morgigen Sonntags, dass Christus selber dies schon klar vorausgesehen hat: „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.“ (St. Matthäus 24,9) Doch eines kann eben auch das Bundesamt nicht verhindern: „Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ (St. Matthäus 24,14)