Bischof Huonder

Der Churer Bischof Huonder hatte im Spätsommer 2015 die gesamte Schweizer Presse gegen sich: dabei hatte er nur gesagt, dass Kinder gut und gelebte Homosexualität nicht gut ist – ein dickes Lob in die Schweiz!

Hier ist der Vortrag des Bischofs, den er auf Kongress des ‚Forums deutscher Katholiken‘ in Fulda am 31.7.2015 hielt: Vortrag von Bischof Huonder am 31.7.15 in Fulda

Ich habe dazu einen Beitrag verfasst, der als PDF herunterzuladen ist: ‚Blütenlese des Entsetzens‘. Zudem habe ich 71 Screenshots von den Schweizer Pressemeldungen aufgenommen – ebenfalls als PDF herunterladbar.

Bischof Huonder Blütenlese des Entsetzens

71 Screenshorts Schweizer und deutscher Zeitungen gegen Huonder

Bischof Huonder: Blütenlese aus der Ferne

  1. Eine geschichtliche Erinnerung: vor mehr als 70 Jahren

Unvergesslich sind in Deutschland die Fotos von kahlgeschorenen Frauen: hohlwangig, nackt, panische Augen – Auschwitz schaut uns an. Erst Rufmord, dann entehrt, schließlich Spielball der Willkür – bis in den Tod.

2. Vor einem halben Jahr

Die gesamte Schweizer Presse zerfetzt einen einzigen Mann: so genannte Qualitätsblätter wie ‚Neue Zürcher Zeitung‘ und ‚Basler Zeitung‘ bis zum Boulevard (‚Blick‘ und ‚Blick am Abend‘) über die Regionalblätter (‚Solothurner Zeitung‘ etc.). Kein gutes Haar ließen sie übrig; neurotisch; engstirnig; ewiggestrig – so soll Bischof Huonder sein.Vor vier Monaten

Die Hauptstadt Deutschlands beim ‚Marsch für das Leben‘: Farbkondome auf friedliche Christen; Gotteslästerung und Menschenverachtung pur (‚Hätt‘ Maria abgetrieben, dann wärt‘ ihr uns erspart geblieben‘); aufreizende Frauen mit provozierenden Gesten laufen durch die Reihen der Familien mit Kindern; Spießrutenlauf zwischen Trommeln, die ohrenbetäubend jedes Gespräch zunichtemachen.

3. Die Kirche schafft Voraussetzungen für den Rechtsstaat

Die Kirche wird seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sacramentum, also Heilmittel genannt (s. ‚Lumen gentium‘; sacramentum mundi, Heilmittel der Welt, wie es Karl Rahner zutreffend weiterführt), weil sie zur Sprache bringt, was der Welt zum Heil dient. Auch in diesem Sinne kann gesagt werden, was der spätere deutsche Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde so formulierte:

Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“(zitiert nach Wikipedia)

Mit anderen Worten: Ehrlichkeit und Gemeinsinn und Friedensliebe sind Grundlagen staatlichen Handelns, können von diesem aber nur passiv geschützt werden; der freiheitliche Rechtsstaat wird zur Räuberbande, wenn diese Tugenden nicht bestehen.

 

4. Der Bischof weidet nicht nur seine Schafe

Spricht also ein Bischof, so können auch diejenigen zuhören, die keine Christen sind. Grundlage jeder Gesellschaft ist die Geburt von Kindern. Ein Ziel des Staates ist sein Fortbestand. Wenn also ein Bischof über die Ehe spricht und dabei meint, Fruchtbarkeit sei eines ihrer Kennzeichen, so müsste man meinen, die gesamte Gesellschaft (auch alle Räuber) stimmt zu: Jawohl, Kinder sind Zukunft.

Bekanntlich entstehen Kinder, wenn ein Mann und eine Frau (mehrere Partner gehen nun mal nicht) miteinander große Freude haben (magna gaudium) – in der Hoffnung auf Nachwuchs (‚Gaudium et Spes‘, um wiederum das II.Vaticanum zu zitieren).

Scharfsinnig erkannte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Josef Ratzinger:

„Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. Denn bei den homosexuellen Handlungen bleibt ‚die Weitergabe des Lebens […] beim Geschlechtsakt ausgeschlossen.‘“(‚Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen‘; 3.6.2003)

5. Contra naturam: das verstehen auch Homosexuelle

Ein jeder Denkende weiß: nur Menschen mit Penis und Vagina können Kinder zeugen – anders geht es nicht. Wenn also eine Gesellschaft fortbestehen will – auch als Räuberbande –, sollte sie auf diejenigen hören, die davon reden, wie Kinder überhaupt entstehen. Homo-, Trans-, Bi- und x-beliebige Sexualität bringt keine Kinder hervor, wohl aber die seit Jahrtausenden gelebte traditionelle Liebe zwischen einem Mann und einer Frau.

Jeder Denkende kann also auch ganz ohne Religion nachvollziehen, was das zitierte ‚natürliche Sittengesetz‘ meint: macht Liebe, nicht wahr?

Krieg, also ‚war‘ auf Englisch, ist tatsächlich die Alternative zur Elternschaft von Mann und Frau: unsere Gesellschaft tötet nicht nur die eigenen Kinder während der Schwangerschaft durch Abtreibung, sondern holt auch andere Kinder aus anderen Kulturen zu uns, womit sie deren Kulturen aushöhlt und bestehende Familien auseinanderreißt. Es war der Heilige Vater Papst Franziskus, der auf den unauflöslichen Zusammenhang der Vergreisung Europas und den aktuellen Flüchtlingsströmen hinwies.

 

  1. Gesunde Familien vs. „Rentnerdemokratie“

Der Altbundespräsident Roman Herzog sprach im Mai 2008 folgende bemerkenswerte Worte:

„Ich fürchte, wir sehen gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie: Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie. Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die Jüngeren ausplündern.“

Wer einmal eine Rentner-Hauptstadt sehen will, komme nach Berlin: Zerfall überall; Armut; Stillstand. Unsere hauptstädtische Tageszeitung ‚Der Tagesspiegel‘(26.1.14) belegte das in einer offiziellen Studie: durch die Vergreisung wird die Masse der Hauptstädter ärmer, nur durch den Zuzug in wenige Szene-Viertel (Friedrichshain, Köpenick, Lichtenberg) gibt es Lichtblicke.

 

6. Warum jeder gegen die Homo-Ehe sein muss

Auch wenn der eine oder andere Rollatoren chicker als Kinderwagen findet: ohne Kinder keine Zukunft. Eine Gesellschaft, die den grundlegenden Zusammenhang von Sexualität und Kindern nicht mehr sieht, darf getrost sterben. Nur: sie stirbt unter großen Qualen!

Hören wir besser auf Kardinal Ratzinger:

„Staatliche Gesetze sind Strukturprinzipien des Lebens der Menschen in der Gesellschaft, zum Guten oder zum Bösen.(…) Die Legalisierung von homosexuellen Lebensgemeinschaften würde deshalb dazu führen, dass das Verständnis der Menschen für einige sittliche Grundwerte verdunkelt und die eheliche Institution entwertet würde.“(‚Erwägungen‘, 11)

Und: „Wenn man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, das soziale und rechtliche Statut der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert.“(Ebd., 12)

7. Woher kommt also der Hass auf Bischof Huonder?

Wer einmal die von mir zusammengestellte Auslese an Screenshots aller maßgebenden Schweizer Zeitungen liest (besonders unrühmlich ist die deutsche ‚Zeit‘), muss über eines erstaunt sein: eine vernünftige Abwägung von Argumenten findet er dort keineswegs.

Unwillkürlich muss man zu dem Schluss kommen: Nein, Sünde gibt es nicht mehr, nicht in der Homosexualität und nirgendwo sonst. Wer genau liest, stellt überraschend fest: Es soll gar keine Sünde mehr geben – Friede, Freude, Eierkuchen!

 

8. Also: Friede auf Erden – am besten ohne Bischof Huonder?

Wer den akademischen Huonder-Vortrag vom 31.7.2015 liest, stellt eines fest: eine einzige Seite beschäftigt sich mit zwei alttestamentarischen Zitaten, die sich genau auf Homosexualität beziehen – von insgesamt 22 Seiten, die auf die Ehe eingehen; es geht als zu mehr als 95% um Heterosexualität.

Homosexualität kommt in einer großen Geschichte vor, die alle Kinder in Deutschland und der Schweiz kennen: Sodom und Gomorra (Gen19). ‚Sodomie‘ ist ein alter Name für Homosexualität, die die schlimmste Sünde schlechthin (nach der Ketzerei) ist; unser lieber Ratzinger schreibt:

„Die katechetische Tradition erinnert auch daran, daß es himmelschreiende Sünden gibt.“(Katechismus der Katholischen Kirche, 1867)

Anders gesagt: wer das Alte Testament zur Homosexualität zitieren will, kann nicht anders, als deutliche Verurteilungen zu nennen.

Nochmals anders formuliert: wer die Todesstrafe durch Menschen in Lev 18,22 und 20,13 nicht nennen will, der muss die himmlische Strafe durch Gott erwähnen:

„Als die Sonne über dem Land aufgegangen und Lot in Zoar angekommen war, ließ der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom Herrn, vom Himmel herab.“(Gen 19,23)

9.  Übel, schlimm, am Allerschlimmsten: Sünde und kein Ende

Nein, die allerschlimmste Sünde ist nicht die Homosexualität. Die schlimmste Sünde ist die Ketzerei, die die Tatstrafe der Exkommunikation nach sich zieht.

So lesen wir im KKK, nach CIC 751:

„‘Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer mit göttlichem und katholischem Glauben zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit.‘“

Und, da es sich nicht um eine Glaubenslehre im eigentlichen Sinne handelt, sondern um eine allgemeine des Sittengesetzes, gilt CIC 752:

„Nicht Glaubenszustimmung, wohl aber religiöser Verstand und Willensgehorsam ist einer Lehre entgegenzubringen, die der Papst oder das Bischofskollegium in Glaubens- oder Sittenfragen verkündigen, wann immer sie ihr authentisches Lehramt ausüben.“

Wenn allein der Hinblick auf die primären Geschlechtsorgane dazu führen muss, dass ein Mensch guten Willens wissen kann,

„‘daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘“(KKK 2357),

dann sind alle katholischen Bischöfe, die dieser Lehre offen oder versteckt widerstreiten, exkommuniziert.

 

10. Der Letzte macht das Licht an

Die Wochenzeitung ‚Die Zeit‘(24.8.15) fragte süffisant, ob Bischof Huonder der „letzte Katholik“ sei; was das Thema Homosexualität betrifft, ist er tatsächlich der letzte deutschsprachige Bischof – neben Weihbischof Laun in Salzburg –, der offene Worte spricht. Zuletzt war es der Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, der sich vor mehr als 5 Jahren deutlich zur katholischen Lehre in puncto Homosexualität bekannte.

Ja, es fällt schwer zu glauben, dass eine Frage, die so offenkundig einfach zu beantworten ist, zu so viel Verrat an Jesus führt.

Zwar zeigte die Schweizer Presse, dass sie auf Meinungsfreiheit, wenigstens in dieser Frage, nicht zählt, offenkundig ist aber vor allen Dingen eines: nur kath.net, idea, Pro Ecclesia (Zürich) und das ‚Forum Deutscher Katholiken‘ machten den Versuch einer Gegenöffentlichkeit.

Wenn also Jesus als Alpha und Omega, als Anfang und Ende, nicht zur Erleuchtung führt, bleibt es finster im deutschsprachigen Europa. Die Schwäche der katholischen Presse ist auf die sinkende Moral in Glaubensfragen zurückzuführen: alle wollen ihre Ruhe.

 

11. Der große Mut von Bischof Huonder: alle gegen einen

Das Portal queer.de meldete am 1.8.2015, 16 Uhr, dass ‚Pink Cross‘ „‘eine öffentliche Entschuldigung für die erneute Entgleisung des Bischofs von Chur‘“ forderte.

Pünktlich zwei Tage später am 3.8.2015  lieferte Bischof Huonder genau diese Entschuldigung in seiner ‚Stellungnahme: Bedauern über Missverständnis‘:

„Ich bedaure, wenn mein 50minütiger Vortrag (…) als Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden wurde.“

Nochmals heißt es in einer weiteren ‚Stellungnahme‘ vom 12.8.2015:

„Selbstverständlich trete ich nicht für die alttestamentarische Forderung nach der Todesstrafe für homosexuell empfindende Menschen ein.“

 

12. Rufmord und Pistolenkugel

Die einzige Schweizer Zeitung war das Boulevard-Portal blick.ch, das erwähnte, dass die wüsten Drohungen gegen den Bischof an Deutlichkeit nicht zu überbieten waren. Voller Häme heißt die Deadline vom 18.8.2015: „Liebes-Aus: Jesus macht Schluss mit Huonder“:

„Immerhin: Huonder war nach empörten Reaktionen auf seine Äusserung zurückgekrebst, hatte sich öffentlich in einem Brief an 800 Mitarbeiter im Bistum Chur und besonders bei ‚homosexuell empfindenden Menschen‘ entschuldigt. Es nützte nichts: Der Geistliche erhält weiter Drohungen. ‚Wir haben viele Briefe mit üblen Beschimpfungen und Schmähungen erhalten. In einem der Briefe war eine Pistolenkugel drin‘, so der Bistumssprecher.“

Das gesunde Volksempfinden der Schweizer lässt da nur einen Schluss zu: mit klammheimlicher Freude, denn Recht geschieht ihm!

 

13. Liebe Nicht-Heteros und liebe Christen

Der Berliner Chef der Lesben-und-Schwulen-Union (LSU) Jurgen Daenens hatte es 2014 vorgemacht: quer zum Mainstream (eben nicht: queer) lief er beim Berliner ‚Marsch für das Leben‘ mit – Abtreibung ist doof, Kinder sind wunderschön. Der Friede der von uns Christen ausgeht, ist ansteckend. Gegen den Hass des Gender-Mainstreaming können wir auch diejenigen überzeugen, die ein bisschen woanders stehen.

Manchmal ist Homosexualität eine Wirkung von Erziehung oder von seelischen Traumata. Manchmal ist es eine Vorveranlagung (Prädisposition). So heißt es im ‚Katechismus‘:

„Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar.“(KKK 2358)

Eine Prädisposition liegt auch z.B. bei Erbkrankheiten vor; manchmal werden Babys als Alkoholiker geboren.

Egal, was man über dieses oder jenes denken mag: Kinder sind wunderschön. Wir brauchen mehr von diesen Gaben Gottes. Jeder kann es wissen, der die Überalterung unserer Gesellschaft sieht!

Maria, die Mutter der Kirche (‚Lumen Gentium‘), bitte für uns – bei deinem Sohn:

Herr, heile uns alle!

Schenke uns allen gesunde Familien!

Und egal, ob wir alle Kinder haben können: Unterstützen wir die Kinder, wo immer sie sind!

Herr, du bist wunderbar – auch in allen Nöten!

Du bist wunderbar (queer; seltsam) in deinen Heiligen!

Segne alle Schwangeren!

Segne alle, die sich noch nicht trauen, zu ihrem Kind zu stehen!

Segne alle, die bewusst oder unbewusst keine Kinder haben können und es doch wollen!

Amen.

14.Literaturverzeichnis

  • Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen (Kongregation für die Glaubenslehre; 3.6.2003), Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 162.
  • Gröne, Stephan, Homosexualität und Schöpfungsordnung, Fuchstal 2007.
  • Katechismus der Katholischen Kirche