Vielen herzlichen Dank, lieber Papa Emeritus!!!

Prophetischer Donnerhall: „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“!

Berlin, 13.April 2019

Ich gebe es zu: bevor ich den neuen Aufsatz des Papa Emeritus zur Missbrauchskrise gelesen habe[1], war ich skeptisch. In meinen Augen hätte er in den letzten Monaten zu vielem lieber schweigen sollen, besonders zu den Versuchen, sein Lebenswerk in Frage stellen zu wollen. Aber ich sollte mich täuschen – und selten war ich so froh, mich getäuscht zu haben.

Denn nach den ersten gelesen Worten hielt ich inne und war nur noch dankbar: „Jesus, Maria – danke für unseren Papa Emeritus!“

Wir können hier buchstäblich im Herzen von Benedikt XVI. lesen – und es ist echte Hirtensorge!!!

Endlich habe ich meinen Ratzinger wieder, den ich als protestantischer Theologiestudent verehrte und heimlich dachte: „Och, mit dem zusammen in einer Kirche, das wäre zu schön um wahr zu sein!“

Nein, es ist nicht die alte Leisetreterei und professorale Zaghaftigkeit, die völlig zu Recht an ihm kritisiert wurde. Nein, da ist einer, der etwas zu sagen hat.

Und seine albernen Kritiker sollten schweigen – es lohnt nicht, sich mit ihnen zu beschäftigen, wahrhaft gar nicht.

Lesen Sie den Aufsatz am besten selbst[2], ich bringe einige Kostproben, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassen!


 

Zu Recht stellt Benedikt XVI. fest, dass am Anfang der Missbrauchsskandale nicht die Kirche steht, sondern eine Veränderung der Gesellschaft zur Gottlosigkeit durch die sexuelle Revolution von 1968:

„Die Sache beginnt mit der vom Staat verordneten und getragenen Einführung der Kinder und der Jugend in das Wesen der Sexualität.“

Und:

Ich versuche zu zeigen, daß in den 60er Jahren ein ungeheuerlicher Vorgang geschehen ist, wie es ihn in dieser Größenordnung in der Geschichte wohl kaum je gegeben hat. Man kann sagen, daß in den 20 Jahren von 1960 – 1980 die bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen sind und eine Normlosigkeit entstanden ist, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat.“

 

„Zu den Freiheiten, die die Revolution von 1968 erkämpfen wollte, gehörte auch diese völlige sexuelle Freiheit, die keine Normen mehr zuließ. Die Gewaltbereitschaft, die diese Jahre kennzeichnete, ist mit diesem seelischen Zusammenbruch eng verbunden. In der Tat wurde in Flugzeugen kein Sexfilm mehr zugelassen, weil in der kleinen Gemeinschaft der Passagiere Gewalttätigkeit ausbrach.“

 

„Zu der Physiognomie der 68er Revolution gehörte, daß nun auch Pädophilie als erlaubt und als angemessen diagnostiziert wurde. Wenigstens für die jungen Menschen in der Kirche, aber nicht nur für sie, war dies in vieler Hinsicht eine sehr schwierige Zeit. Ich habe mich immer gefragt, wie junge Menschen in dieser Situation auf das Priestertum zugehen und es mit all seinen Konsequenzen annehmen konnten. Der weitgehende Zusammenbruch des Priesternachwuchses in jenen Jahren und die übergroße Zahl von Laisierungen waren eine Konsequenz all dieser Vorgänge.“

Der Hauptsatz lautet:

„Unabhängig von dieser Entwicklung hat sich in derselben Zeit ein Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie ereignet, der die Kirche wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft machte. Ich versuche ganz kurz den Hergang dieser Entwicklung zu skizzieren. Bis hin zum II. Vaticanum wurde die katholische Moraltheologie weitgehend naturrechtlich begründet, während die Heilige Schrift nur als Hintergrund oder Bekräftigung angeführt wurde.“

BXVI nennt die Enzyklika Veritatis splendor als Gegenbewegung durch den heiligen Papst Johannes Paul II.:

„Die Enzyklika wurde am 6. August 1993 veröffentlicht und enthielt in der Tat die Entscheidung, daß es Handlungen gebe, die nie gut werden können. Der Papst war sich des Gewichts dieser Entscheidung in seiner Stunde voll bewußt und hatte gerade für diesen Teil seines Schreibens noch einmal erste Spezialisten befragt, die an sich nicht an der Redaktion der Enzyklika teilnahmen. Er konnte und durfte keinen Zweifel daran lassen, daß die Moral der Güterabwägung eine letzte Grenze respektieren muß. Es gibt Güter, die nie zur Abwägung stehen. Es gibt Werte, die nie um eines noch höheren Wertes wegen preisgegeben werden dürfen und die auch über dem Erhalt des physischen Lebens stehen. Es gibt das Martyrium. Gott ist mehr, auch als das physische Überleben. Ein Leben, das durch die Leugnung Gottes erkauft wäre, ein Leben, das auf einer letzten Lüge beruht, ist ein Unleben. Das Martyrium ist eine Grundkategorie der christlichen Existenz. Daß es in der von Böckle und von vielen anderen vertretenen Theorie im Grunde nicht mehr moralisch nötig ist, zeigt, daß hier das Wesen des Christentums selbst auf dem Spiel steht.“

Und:

„Aber es gibt ein Minimum morale, das mit der Grundentscheidung des Glaubens unlöslich verknüpft ist und das verteidigt werden muß, wenn man Glauben nicht auf eine Theorie reduzieren will, sondern in seinem Anspruch an das konkrete Leben anerkennt. Aus alledem wird sichtbar, wie grundsätzlich die Autorität der Kirche in Sachen Moral zur Frage steht. Wer der Kirche in diesem Bereich eine letzte Lehrkompetenz abspricht, zwingt sie zu einem Schweigen gerade da, wo es sich um die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge handelt.“

Ja, es gibt die so genannten Homosexuellen-Netzwerke:

„Bei dem Problem der Vorbereitung zum priesterlichen Dienst in den Seminaren ist in der Tat ein weitgehender Zusammenbruch der bisherigen Form dieser Vorbereitung festzustellen. In verschiedenen Priesterseminaren bildeten sich homosexuelle Clubs, die mehr oder weniger offen agierten und das Klima in den Seminaren deutlich veränderten.“

In Auslegung von Mk 9,42 schreibt BXVI., es gäbe ein Problem im Rechtsbewusstsein der Kirche, dass den klerikalen Täter als höherrangig ansieht, während das Opfer und sein Glaube unwesentlich zu sein scheint:

„Jesus schützt also hier das Gut des Glaubens mit einer nachdrücklichen Strafdrohung an diejenigen, die daran Schaden tun. Die moderne Verwendung des Satzes ist in sich nicht falsch, aber sie darf nicht den Ursinn verdecken lassen. Darin kommt gegen jeden Garantismus deutlich zum Vorschein, daß nicht nur das Recht des Angeklagten wichtig ist und der Garantie bedarf. Ebenso wichtig sind hohe Güter wie der Glaube. Ein ausgewogenes Kirchenrecht, das dem Ganzen der Botschaft Jesu entspricht, muß also nicht nur garantistisch für den Angeklagten sein, dessen Achtung ein Rechtsgut ist. Es muß auch den Glauben schützen, der ebenfalls ein wichtiges Rechtsgut ist. Ein recht gebautes Kirchenrecht muß also eine doppelte Garantie – Rechtsschutz des Angeklagten, Rechtsschutz des im Spiel stehenden Gutes – beinhalten.“

 

Die Kirche kann sich des Bösen in ihr und um sie herum nur erwehren, wenn sie der Liebe Gottes inne wird:

„Die Gegenkraft gegen das Böse, das uns und die ganze Welt bedroht, kann letztlich nur darin bestehen, daß wir uns auf diese Liebe einlassen. Sie ist die wirkliche Gegenkraft gegen das Böse. Die Macht des Bösen entsteht durch unsere Verweigerung der Liebe zu Gott. Erlöst ist, wer sich der Liebe Gottes anvertraut. Unser Nichterlöstsein beruht auf der Unfähigkeit, Gott zu lieben. Gott lieben zu lernen, ist also der Weg der Erlösung der Menschen.“

Und:

„Eine Gesellschaft, in der Gott abwesend ist – eine Gesellschaft, die ihn nicht kennt und als inexistent behandelt, ist eine Gesellschaft, die ihr Maß verliert. In unserer Gegenwart wurde das Stichwort vom Tod Gottes erfunden. Wenn Gott in einer Gesellschaft stirbt, wird sie frei, wurde uns versichert. In Wahrheit bedeutet das Sterben Gottes in einer Gesellschaft auch das Ende ihrer Freiheit, weil der Sinn stirbt, der Orientierung gibt. Und weil das Maß verschwindet, das uns die Richtung weist, indem es uns gut und böse zu unterscheiden lehrt. Die westliche Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der Gott in der Öffentlichkeit abwesend ist und für sie nichts mehr zu sagen hat.“

Und er kommt auf die Wurzel der Gottlosigkeit in Europa zu sprechen:

„Nach der Erschütterung des 2. Weltkriegs hatten wir in Deutschland unsere Verfassung noch ausdrücklich unter die Verantwortung vor Gott als Leitmaß gestellt. Ein halbes Jahrhundert später war es nicht mehr möglich, die Verantwortung vor Gott als Maßstab in die europäische Verfassung aufzunehmen. Gott wird als Parteiangelegenheit einer kleinen Gruppe angesehen und kann nicht mehr als Maßstab für die Gemeinschaft im ganzen stehen. In diesem Entscheid spiegelt sich die Situation des Westens, in dem Gott eine Privatangelegenheit einer Minderheit geworden ist.“

Und erschütternd ist am Schluss, wie verrucht die Missbrauchstäter ihre Opfer verhöhnen, indem sie unser einziges Heilmittel in der Eucharistie buchstäblich zerstören. Benedikt beschreibt ein Beispiel:

„Eine junge Frau, die als Ministrantin Altardienst leistete, hat mir erzählt, daß der Kaplan, ihr Vorgesetzter als Ministrantin, den sexuellen Mißbrauch, den er mit ihr trieb, immer mit den Worten einleitete: „Das ist mein Leib, der für dich hingegeben wird.“ Daß diese Frau die Wandlungsworte nicht mehr anhören kann, ohne die ganze Qual des Mißbrauchs erschreckend in sich selbst zu spüren, ist offenkundig. Ja, wir müssen den Herrn dringend um Vergebung anflehen und vor allen Dingen ihn beschwören und bitten, daß er uns alle neu die Größe seines Leidens, seines Opfers zu verstehen lehre.“

Nun, liebe Leser: neugierig geworden? Dann selbst ganz durchlesen – und unseren beiden Heiligen Vätern im Gebet für ihren so wichtigen Petrusdienst danken!

 

[1] https://de.catholicnewsagency.com/story/die-kirche-und-der-skandal-des-sexuellen-missbrauchs-von-papst-benedikt-xvi-4498

[2] https://de.catholicnewsagency.com/story/die-kirche-und-der-skandal-des-sexuellen-missbrauchs-von-papst-benedikt-xvi-4498

3 Gedanken zu “Vielen herzlichen Dank, lieber Papa Emeritus!!!

  1. Das Böse in der Welt ist die Unwissenheit, die durch die babylonische Regelsprache der Mutter hervorgerufen wird, eben unter Missachtung des Inhaltes, des in ihr gefangen genommenen und verzerrten Wortes, welches Gott ist. Dem Bösen kann man also nur durch das Wissen um den vorstellbaren Geist im gleichnisbezogenen Wort, eben bewusstseinsbildend, begegnen, und nicht mit der Auffassung der Mutter-Kirche, die da meint: „Ihr müsst glauben, um Gott zu lieben, denn ihr könnt nichts wissen.“ Wer seiner Unwissenheit entgegentreten möchte, dem gebe ich hier die Möglichkeit dazu, denn mit der Aufhebung der Unwissenheit ist das Böse plötzlich verschwunden, weil man dessen Ursache erkennt. Auch die Sexualität der Wissenden ist plötzlich rein, sie könnte gar nicht reiner sein.
    Die Seite des Wissens: http://upvs.wordpress.com

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s