2000 Jahre Sexualmoral: Müllhaufen der Geschichte?

Synodaler Weg der DBK: Nationalkirche ohne Papst? 

Berlin, 16.März 2019

Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz 2019 möchte die katholische Sexualmoral außer Kraft setzen, wie es scheint.

Im Internet-Portal katholisch.de heißt es dazu:

„Geeignete Formate für den synodalen Prozess sollen laut den deutschen Bischöfen noch in diesem Jahr gesucht werden. Dazu gehörten bereits jetzt drei auf der Vollversammlung verabredete Foren. Das Forum […] ‚Sexualmoral‘ (werde) von Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück)“[1] gehalten.

Wir erinnern uns: Bischof Bode ist genau derjenige, der die Segnung Homosexueller im letzten Jahr um diese Zeit gefordert hat.[2]

Einer der Hauptgegner der christlichen Sexualmoral – und um diese geht es insgesamt, nicht allein um katholische Sonderlehren – erhebt sein Haupt: der Freiburger Professor Dr. Eberhard Schockenhoff.

Ausdrücklich wird er in der Pressemitteilung vom 14.März 2019 gelobt:

„Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg) hat in seinen Ausführungen deutlich auf Anachronismen, Widersprüche und lebensfremde Aspekte in der kirchlichen Sexualmoral und ihrer Darstellung hingewiesen.“[3]

Mit einem Wort: die deutschen Bischöfe (alle?) gehen im Hinblick auf die christliche Sexualethik von ‚widersprüchlicher Lebensfremdheit‘ aus.

Die Marschrichtung wird so beschrieben:

„Darüber hinaus stellt eine kirchliche Sexualethik ein ganzheitliches Orientierungsangebot für eine sexuelle Praxis als Ausdruck menschlicher Liebe dar, das jedoch nicht im Sinn einer naturalistisch kurzschlüssigen Verbotsethik vermittelt werden sollte.“[4]

Wahrscheinlich ist es das erste Mal, dass ein Irrlehrer, der von Kirchensteuern bezahlt wird, ohne jede Scheu vor allen deutschen Bischöfen sagt, was er denkt.[5]

Ohne Vorwort wird der Vortrag vom 13.März 2019, den besagter Professor vor den versammelten Bischöfen hielt, unkommentiert veröffentlicht.

Ganz offen wird der heilige Johannes Paul II. und seine ‚Theologie des Leibes‘ kritisiert:

„Das kirchliche Lehramt beansprucht bis heute, mit den Kernaussagen der traditionellen Sexuallehre die ihm anvertraute göttliche Offenbarung auf verbindliche Weise auszulegen. Papst Johannes Paul II. führte vor einer Versammlung von Moraltheologen in Rom 1988 aus, bei der kirchlichen Sexuallehre handle es sich ‚nämlich nicht um eine vom Menschen erfundene Lehre: Sie ist vielmehr von der Schöpferhand Gottes in die Natur der menschlichen Person eingeschrieben und von ihm in der Offenbarung bekräftigt worden‘ (Ansprache vom 12.November 1988). Dies ist eine steile Behauptung, die einer möglichen Kritik an einzelnen Aussagen dieser Lehre von vornherein den Boden entzieht.“[6]

Richtig stellt Professor Schockenhoff fest,

„dass die Theologie des Leibes das sexuelle Begehren und den Triebcharakter des Eros nicht vorbehaltlos als einen positiven Ausdruck menschlicher Körperlichkeit und Lebenslust würdigen kann.“[7]

Allerdings hat die christliche Lehre eben nicht jeden Ausdruck von sexuellem Begehren bejaht, sondern die Grenzen in der Bejahung der Fortpflanzung gesehen. Damit ist die Sexualität in den Grenzen der Ein-Ehe von Mann und Frau möglich – und Selbstbefriedigung und künstliche Verhütung ausgeschlossen.

Wie sehen die „Konturen einer menschengerechten Sexualethik“[8] aus?

Ganz einfach sollen die sexuellen Wesen, also wohl alle Menschen, sich selbst ausleben:

„Gemäß dem Prinzip der Eigenliebe sollen im Sexualverhalten des Einzelnen die eigenen berechtigten Wünsche und Ziele zum Ausdruck kommen. Dazu gehört das lustvolle Erleben der Sexualität im Begehrt-Werden durch den Partner/die Partnerin und die Erfüllung des eigenen sexuellen Verlangens. Das sexuelle Erleben stellt eine bedeutsame Vergewisserung der eigenen Identität dar, da im Begehrt-Werden durch den Anderen die Bedeutsamkeit des eigenen Daseins auf elementare Weise erfahren wird.“[9]

Dies führt ganz offen zu der Forderung eines so genannten katholischen Universitätslehrers zur Anerkennung von Homosexualität:

„Schließlich verwirklichen auch gleichgeschlechtliche Handlungen positive Sinnwerte, insofern sie ein Ausdruck von Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue und Hilfestellung im Leben sein können.“[10]

Habt ihr einvernehmlichen Spaß miteinander, dann ist das schon ganz OK, oder?

Die Grenzen zum Sado-Masochismus oder Gruppen-Sex oder Inzest oder Vielweiberei oder auch Kinder-Sex sind wohl ziemlich fließend – wer will schon den „Ausdruck von Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue und Hilfestellung“ wirklich hinterfragen?

 

Und ist ein Besitzer eines Harems nicht „verlässlich“? Und wenn seine zwanzig Damen eine Ehrenerklärung unterschrieben haben?

Das Institut der Ehe ist ein öffentliches: letztlich haben viele Menschen ein Auge darauf – und nicht nur die Verwandten.

Der Weg von Professor Schockenhoff führt in das Nichts der Beliebigkeit – und letztlich der absoluten Macht des Stärkeren.

Nicht nur die Folgerungen, die sich aus dem Ansatz des Professors ergeben, sind schockierend: wie kann befriedigend erklärt werden, dass gut viertausend Jahre seit Moses Zehn Geboten eine ganz andere Moral gegolten hat?

[1] https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/bischofe-beschlieen-synodalen-weg-zu-sexualmoral-und-zolibat

[2] https://www.kirche-und-leben.de/artikel/bischof-bode-fuer-neue-debatte-ueber-segnung-homosexueller-paare/

[3] https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2019/2019-040-Pressebericht-FVV-Lingen.pdf

[4] Ebd.

[5] Was er denkt, ist nicht neu, sondern lehrt er mindestens seit 2014, vgl. https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/das-lehramt-hat-sich-isoliert

[6] https://www.domradio.de/sites/default/files/pdf/2019-038d-fvv-lingen-studientag-vortrag-prof.-schockenhoff.pdf , 2.

[7] A.a.O., 4.

[8] Ebd.

[9] A.a.O., 5f.

[10] A.a.O., 6.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s