Sentire cum Papa Francesco

Das Petrusamt: die schwerste Berufung der Welt

Berlin, 24.Februar 2019

 

  1. Vorbemerkung

Am Sonntag Lätare vor rund 12 Jahren fand ich in den Schoß der heiligen Mutter Kirche, nachdem ich zehn lange Jahre gerungen hatte: mit mir selbst – und mit den Zuständen in der deutschen Ortskirche; das Warum führt hier zu weit.

Zwei Gründe waren für meine Konversion entscheidend: die unveränderliche Kirchenlehre, wie sie im wunderbar verständlichen ‚Katechismus der Katholischen Kirche‘ steht.

Und der Heilige Vater in Rom, der damals Benedikt XVI. war und mir als Kardinal Ratzinger schon während meines Theologiestudiums gut bekannt war. Es war allerdings das Papstamt an und für sich – als Garant der unveränderlichen Kirchenlehre –, das mich anzog.

Kardinal Ratzinger hätte in meinen Augen der gute Präfekt der Glaubenskongregation bleiben sollen, der er immer war, jedenfalls zu Zeiten des heiligen Johannes Paul II. Er war letztlich nicht entscheidend für meinen Übertritt.

Ich wusste also vor zwölf Jahren: auch wenn eine Ortskirche, wie z.B. die deutsche, heillos ein Spielball des Teufels ist, bleibt die Weltkirche mit dem römischen Papst unverändert.

Denn wir wissen aus der Kirchengeschichte: das ursprünglich vom Völkerapostel Paulus missionierte Kleinasien ist die heutige Türkei – und das Christentum ausradiert. Und Nordafrika mit dem heiligen Augustinus ist praktisch in den Händen des Islam.

Nirgendwo steht geschrieben, dass die Geschichte des tausendjährigen Christentums in Deutschland weitergeschrieben werden muss.

 

  1. Franziskus: der Heilige meines Übertritts

Für einen Protestanten sind Heilige bestenfalls Vorbilder, schlimmstenfalls widerliche Heuchler, denn Heiligkeit ist in diesem Leben eigentlich unerreichbar, da sie nur ‚im Glauben‘ geschenkt ist, niemals durch Werke.

Durch den Jahrtausenddammbruch der Segnung Homosexueller im deutschen Protestantismus wusste ich: gelebte Homosexualität darf niemals gesegnet werden, dann sie ist schwerste Sünde. Nirgendwo hat im Protestantismus der Katechismus diese Bedeutung wie im Katholizismus.

Und es brauchte nur noch eine Kleinigkeit, um mich vom Katholizismus zu überzeugen. Ich las aus einem kleinen Büchlein mit Original-Zitaten des heiligen Franziskus und der Dreigefährten-Legende. Zum Beispiel war eine Empfehlung, Eselsmist zu kauen, um eine allzu schnelle Zunge zu dämpfen – so kann man auch Neid, Missgunst und Streitereien bekämpfen!

Ich dachte mir: wenn es möglich ist, das Evangelium zu leben wie es der heilige Franziskus tat, dann muss Martin Luther Unrecht haben.

Nun, es war und ist kaum anzunehmen, dass der heilige Franziskus ein so großer Heuchler ist, dass er alle Menschen zum Narren hielt – das Evangelium ist also katholisch lebbar!

 

  1. Gott trösten – wie die Muttergottes es in Fatima wünschte

Neben dem heiligen Franziskus bekam ich eine kleine Statue aus Lindenholz geschenkt: Maria in betender Haltung, eine Orante – schlicht wie ein Engel Gottes. Ich dachte mir damals nicht viel dabei.

Da mein Firmheiliger Pater Pio ist, der die Wundmale Jesu, die Stigmata an seinem Körper trug – wie es der heilige Franziskus ebenfalls tat –, überlegte ich mir schon frühzeitig, wie das gehen kann: das Leid Gottes mit uns Sündern mittragen?

Als Christen sind wir aufgerufen, im Gebet für einander einzustehen – und uns auch gegenseitig durch Gaben, Worte und Werke zu stützen.

Das schließt Opfer ein, z.B. wenn der heilige Franziskaner Maximilian Kolbe für einen polnischen Familienvater im Vernichtungslager Auschwitz den Hungertod stirbt.

In meinen Augen ist die schönste Entfaltung unseres Glaubens gerade das, was Martin Luther überhaupt nie verstanden hat: die aufopfernde Liebe zu Gott!

Denn Gott lebt heute wie auch damals auf Golgatha: und weil er lebt, leidet er heute nicht weniger als vor zweitausend Jahren!

Und er leidet unter den gottlosen Heiden nicht weniger als unter dem Ungehorsam von uns Katholiken – und will getröstet werden.

Jesus lieben, wenn wir uns vorstellen, dass Er um seine verlorenen Schafe weint – und Ihn trösten – wie die heilige Veronika mit dem Schweißtuch, und bei Ihm sein wollen – wie die Gottesmutter. Es gibt kaum eine innigere Liebe, als für Jesus mitleiden zu wollen – und Seinem Stellvertreter in Rom. Das ist im Kern die Botschaft der Marienerscheinungen in Fatima: Jesus und Maria durch Gebete und Opfer trösten, weil die Freude an Gott so übergroß und herrlich ist.

 

  1. Mit der Kirche fühlen – Sentire cum Ecclesia

Jesus Christus ist die Kirche, denn die Kirche ist Sein Leib. Wie schön ist es, wenn wir genau wissen: Petrus war in Rom und starb dort. Und dort ist sein Grab. Und dann gab es einen Nachfolger und dann noch einen bis heute. Dies nennen wir unter anderem Apostolische Nachfolge (Sukzession).

Niemals hat es einen Bruch gegeben. Wer also den Heiligen Vater heute sieht, dem begegnet Jesus in anderer Gestalt.

Die Verheißung an den Fischer Petrus aus Galiläa gilt heute Franziskus: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16,18)

Dieses Dogma der Unfehlbarkeit ist Kern und Stern des Katholizismus: „daß dieser Stuhl des heiligen Petrus von jedem Irrtum immer unberührt bleibt, gemäß dem an den Fürsten seiner Jünger ergangenen göttlichen Versprechen unseres Herrn und Erlösers“(DH 3070: semper errore illibatam permanere).

Für die Protestanten gibt es kein Mitleiden mit der Kirche: das Evangelium wird allein durch den Glauben angenommen – und Basta!

Aber was ist wirklich los mit uns Katholiken? Leiden wir mit Petrus mit? Versuchen wir uns in die Lage Seines Stellvertreters zu versetzen?

 

  1. Was wäre, wenn der Vatikan eine Aktiengesellschaft wäre…

In Deutschland haben wir viele große Automobilunternehmen, also zum Beispiel Daimler-Benz, BMW und Volkswagen.

Sie alle stellen Kraftfahrzeuge her, die alle vier Räder haben, manchmal auch nur drei (Trikes) oder sogar zwei (Bikes).

Niemals ist es vorgekommen – wirklich niemals! –, dass ein Daimler-Boss die Autos von Volkswagen gelobt hätte – oder auch umgekehrt.

Niemals ist vorgekommen, dass ein BMW-Boss in aller Öffentlichkeit die Autos von VW oder Mercedes in den Dreck gezogen hätte – niemals!

Im freien Markt gilt das ungeschriebene Gesetz: es gibt gut – und besser! Aber niemals den Konkurrenten schlecht machen! Natürlich sind Scherze erlaubt – und spitze Bemerkungen.

Jeder kluge Verkäufer weiß: alle Firmen machen den gemeinsamen Markt aus – und den Konkurrenten schlecht reden, schadet letztlich allen.

 

  1. Warum lieben die dubia-Kardinäle, Erzbischof Viganò und Kardinal Müller die Anklage?

Ich bin wirklich kein Vatikanist, also einer, der Erhellendes über diesen oder jenen Fall sagen könnte.

Ich bin nur mit gesundem Menschenverstand begabt – wie alle Menschen –, und der lässt mich Folgendes denken.

Es waren die Pharisäer, die Jesus Christus mit ihren Fangfragen in die Falle locken wollten: sie konnten sich nicht am Gutem und den vielen Heilungen freuen, sondern wollten dem Heiland der Welt einen Strick drehen – die dubia-Kardinäle scheinen hier ihr Vorbild zu haben. Geht es wirklich nur um Fußnote 351 in einer zweitrangigen Ermunterung (Adhortation) wie in Amoris laetitia? Oder geht es vielmehr um die Rechtfertigung von Stellvertreterkriegen, bei denen die scheinbar Konservativen gegen die angeblichen Modernisten kämpfen?

 

Es war der Verräter Judas, der mit Jesus Christus so ganz und gar nicht einverstanden war, so dass er ihn verraten hat und weglief. Taugt Erzbischof Viganòs Gang in den selbst gewählten Untergrund aus Angst um Leib und Leben wirklich als Vorbild? Oder hatte er wohlweislich Furcht vor der Staatsanwaltschaft Nordamerikas, um nicht vor Gericht in den Missbrauchsfällen gezogen zu werden? Ist ein Hirte, der vor dem angeblichen Wolf auf der Kathedra Petri wegläuft, nicht ein Mietling?

 

Es war Martin Luther, der viele Male vor dem ‚Antichrist‘ in Rom warnte – mindestens seit seiner Schrift von der ‚Babylonischen Gefangenschaft der Kirche‘ 1520. Er meinte, die Hure Babylons aus der Offenbarung des Johannes könne man auf Rom am Tiber mit sieben Hügeln deuten. Wenn Kardinal Müller in seinem so genannten ‚Glaubensmanifest‘ das Wort ‚Antichrist‘ benutzt, schaudert es mich als ehemaligem Lutheraner. Zweimal benutzt er es – positiv zitiert er nur Benedikt XVI, aber den Heiligen Vater Franziskus nennt er mit keinem Wort. Ist Kardinal Müller also ein Luther Revividus (ein wiederkehrender Luther)?

 

  1. Haben wir Mitleid mit dem Heiligen Vater?

In wieviel tausend, wenn nicht Millionen Briefen, Zeitungsartikeln, Fernsehsendungen, Videos und Social-Media-Kommentaren wird über den Heiligen Vater geschrieben? Und in wie viel Wortmeldungen geht es nicht um Häme, Beleidigungen und Verzerrungen, sondern um die Wahrheit?

Und wann geht es um die Liebe? Wenn Gott lebt und Jesus Christus Sein Sohn ist: wann verstehen wir, dass unser Heiliger Vater Sein Stellvertreter ist und nicht nur Respekt verdient, sondern auch Verständnis und liebevolles Gebet?

Wenn die ganze gottlose Welt sich den Mund zerreißt: wie schmerzlich müssen die innerkirchlichen Feinde für den Sohn des lebendigen Gottes und Seinen Stellvertreter sein?

Ist unser Papst Franziskus kein Mensch, sondern nur die Zielscheibe von Intrigen, Dummheiten und Machtkämpfen zwischen Modernisten und Traditionalisten?

 

In meinen Augen hat die Missbrauchskrise nicht ihren Grund in der Geburt eines italienischstämmigen Argentiniers – und dieser Mann ist auch nicht derjenige, der die Kirche in Stücke reißt.

Nein, dieser Mann ist der gewählte Pontifex Maximus, der die Verheißung Jesu hat: „Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam“ (Mt 18,16)

Und Ihr, meine Herren Klerikalisten: welche Verheißung habt ihr?

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