Beichten leicht gemacht

Anleitung für Hard-Core-Fans – und die es werden wollen

Berlin, 20.Januar 2019

  1. Vorbemerkung

Beichten ist entschieden außer Mode gekommen, was ich persönlich bedauere. Damit der eine oder die andere doch noch auf den Geschmack kommt, habe ich ein paar Kniffe aufgeschrieben.

 

  1. Technische Fragen

Also, mein Confession-Survival-Kit sieht wie im Echt-Foto (siehe oben) dargestellt aus: ein weiches süßes Häschen-Kissen in einem verschließbaren Rucksack – damit ich weich beim Beichten knien kann.

Weil meine Knie voll kaputt sind, ist jede nicht-sitzende Körperhaltung eine Qual, die buchstäblich nicht nur Andacht, sondern auch Konzentration raubt.

Den Kissen-Trick sah ich mir bei einem älteren Ehepaar ab, das mit selbigem ganz offen zur Beichte ging. Erst dachte ich mir: „Wie dekadent ist das denn?“, dann ging ich in mich und bat meinen Arthrose-Rest-Körper um Rat. Und der meinte: nicht wirklich doof!

 

  1. Theologische Vorerwägungen

Die Beichte an und für sich ist ein actus iudicialis, also eine richtende Handlung. Das klingt furchtbar, aber ist es eigentlich nicht. Der Priester ist ein alter Christus und handelt als dessen personifizierte Anwesenheit. Mit einem Berlinerischen Wort: „Ey Alter, gehst du voll Beichte, da Jesus, der Mann!“

Die Beichte besteht aus den drei Akten: contritio cordis, confessio oris und satisfactio operum. Zu Deutsch: Herzensreue, Sündenbekenntnis und Genugtuung in Werken.

Das Bußsakrament ist also nicht einfach ein Ein-Akter to go, sondern ein Prozess.

Wer den Weg der Buße geht, muss ein bisschen innehalten. Und wer verstanden hat, dass ohne Zerknirschung des Herzens und der Prüfung der Taten im eigenen Gewissen keine Beichte gültig ist, nimmt den richtigen Anlauf.

 

  1. Was soll man beichten?

In Anbetracht dieser lausigen Zeiten, in denen niemand mehr Sünder sein will, würde ich sagen: „Alles – und nochmals alles!“

Würden wir im Hochmittelalter leben, in welchem die Geißler büßend durch die Straßen zogen und voll Freude Buße taten, dass es nur so krachte: dann sollte man sich vielleicht ein bisschen mäßigen.

Im Ernst: wer beichtet, hat eine Privataudienz – mit Jesus selbst! Kann uns etwas Besseres passieren?

Geben wir unserem himmlischen Vater alles: die Murmeln, die Glaskugeln, den getrockneten Kot und den Fliegendreck unseres Lebens.

Und falls der Beichtvater einen Diamanten darunter findet, der nun gerade keine Sünde ist: umso besser!

Pater Pio hat die wehleidigen Frauen von seinem Beichtstuhl fortgeschickt, dessen ‚Puppensünden‘ ihn davon abhielten, die großen Sünder zur Buße zu leiten. Bei den langen Schlangen in der sengenden Hitze Süditaliens sicher richtig.

Aber wir leben in Zeiten, in welchen die größten Torheiten wie Faulheit („Geiz ist geil“) und Völlerei („Selfies“) für Tugenden gehalten werden. Da meine ich, dass es klug ist, selbstkritisch zu sein.

Wer die Chance des Lebens hat, einmal in der Woche zur Heiligen Beichte zu gehen, sollte alles beichten, das auch nur den Anschein hat, in Richtung Sünde zu gehen.

Überlassen wir dem Beichtvater die Beurteilung, ob es nur Schwäche, schlechte Umstände, einmalige Ausrutscher, lässliche oder gar Todsünde ist.

 

  1. Warum zwischen Beichtvater und Seelenführer unterscheiden?

Viele Beichtkinder können ein Lied davon singen: manchmal wird der Segensstuhl zur Folterkammer.

Denn viele Beichtväter sorgen sich buchstäblich nicht um das Heil der Seelen, sondern um ein möglichst liebloses Abfertigen der Büßer. Ja, ohne Scheu lässt sich sagen: viele Priester scheinen die Beichte regelrecht zu verachten.

Die Gültigkeit der Beichte ist von der Bosheit des Priesters nicht abhängig, sondern nur davon, ob der Beichtvater dennoch tun will, was die Kirche tut, wenn er die Lossprechung gibt. Das ist allerdings ein Thema für sich.

Wer das häufige Pech hat, Beichtväter zu erleben, die weder fromm noch lebensklug sind, muss genauestens zwischen Beichte und Seelenführung unterscheiden lernen.

Denn die Sünden müssen bekannt werden – und auch Schwächen benannt. Aber unser ganzes Rest-Leben kann dennoch unerörtert bleiben.

Mit einem Wort: niemand ist gezwungen, seine ganze Lebenslage dem Beichtvater zu enthüllen, wenn zu erwarten ist, dass dies offen missbraucht wird. Nur ein berufener Seelenführer ist in der Lage, Ratschläge zu erteilen.

Meine absolute Lieblingsheilige Schwester Faustina hat dies bitter bis zur Neige erfahren müssen. Nein, nur die Sünde – und was zu ihr führt – hat den Beichtvater zu interessieren.

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