Wenn Steine Pickel bekommen – Berlin weint

Nackte Tatsachen – Gedanken zu Lukas 19,40

Berlin, 7.Januar 2019

Nein, Sie sehen nicht die Pforten der Hölle, wie es durch ‚666‘ möglich erscheint. Nein, das Foto ist kein Fake.

Das obige Foto ist echt, echt von gestern, Tag der Heiligen Drei Könige 2019, kurz vor 7 Uhr 30. Es ist das Hauptportal der derzeitigen Bischofskirche St. Joseph in Berlin-Wedding. St. Hedwig wird gerade umgebaut.

Die Heilige Messe war wieder für den modernen Besucher gedacht, also eine so genannte ‚benutzerfreundliche‘, da unter einer Stunde, genau 45 Minuten. Die Frühmessen in der Bischofskirche sind häufiger so lange: fast genau 45 Minuten, als gäbe es eine Richtlinie für den Zelebranten.

Der Zelebrant kam zu spät zur Beichtzeit, 15 Minuten. Mit einer kleinen Sporttasche, vielleicht vom Sport oder zum Sport oder mit der Priesterkleidung versehen

Und fragte gleich, ob ich sofort beichten wollte. Sporttasche abgelegt, Stola umgelegt und nicht lange überlegt: und auf ‚Im Namen‘ ging es los.

Mit dieser typisch männlichen 7-Minuten-Rein-Raus-Strategie war ich noch gut bedient. Die erste Heilige Messe des neuen Jahres fand gänzlich ohne Beichtgelegenheit statt. Der hochgestellte Würdenträger ging schnurstracks am Beichtstuhl vorbei.

Ich stehe sonntags um 5 Uhr 50 auf, weil die Bischofskirche praktisch der einzige Ort ist, wo man die Sünden verlässlich zu den festgesetzten Zeiten beichten kann. Oder anders gesagt: die Beichtväter sind zur festgelegten Zeit meist vor Ort, manchmal auch nicht.

Um 9 Uhr 30 in St. Joseph zu beichten, ist praktisch unmöglich geworden. Wegen der Musik: gleich gegenüber dem Beichtstuhl im Gottesdienstraum auf einer Empore wird in St. Joseph geprobt. Damit es so richtig feierlich zugeht im Gottesdienst.

Meine letzte Beichte um 9 Uhr 30 versuchte ich unter ohrenbetäubenden Orchesterproben abzulegen: der Beichtvater hatte eigentlich keine Chance, meine Beichte überhaupt rein akustisch zu hören…

In St. Hedwig waren die lauten Chor- bzw. Orchesterproben auch geradezu unheimlich: wie ein vielstimmiges Monster kroch die Musik in den Beichtstuhl – nur die hölzerne Tür verhinderte das Allerschlimmste.

So echt wie das Satanszeichen ‚666‘ (vgl. Offb 13,18) ist auch der Aussatz der Steine (vgl. Lev 14): beides ist ein Zeichen von Unreinheit.

Laut offizieller Statistik gingen 2016 nur 9,9% der Katholiken in den Gottesdienst. Beichten dürften nur ein Bruchteil dieser knapp 10%.

Ich bin bereit, zehn Zahnbürsten zu spenden, wenn der Herr Erzbischof von Berlin die Zahnpasta kauft, um dann mit mir die Stufen von St. Joseph von Unreinheit zu säubern!

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