Warum der Materialismus doppelt falsch ist – eine Erwiderung auf Feuerbach

Christenhass vom Feinsten: Odium humanis generis

Berlin, 6. Januar 2019

Warum der Materialismus doppelt falsch ist

  1. Vorwort

Sieben Jahre war ich im so genannten wissenschaftlichen Atheismus gefangen, bevor ich in Jesus Christus vor 28 Jahren das Licht der Welt erblicken durfte.

Die Thesen von Karl Marx zu Ludwig Feuerbach taten es mir damals an. Heute lese ich sie im Zusammenhang nochmals – und bin erschrocken, wie lächerlich einfach es ist, diese Philosophie zu widerlegen.

Offensichtlich steht Ludwig Feuerbach der Protestantismus viel näher als der Katholizismus. Und die Frage nach der Moralität menschlichen Tuns wird nur als die Frage nach Ideal und Wirklichkeit abgetan.

  1. Die Haltung des Materialismus

Der Materialismus sagt, dass Gott eine Projektion irdischer Wünsche in den Himmel ist.

Ludwig Feuerbach schreibt: „Die Religion ist der Traum des menschlichen Geistes.“[1]

Der Mensch ist als solcher nicht fähig, über sich hinauszuwachsen, sondern bleibt immer bei sich selbst: „im Bewußtsein des Unendlichen ist dem Bewußten die Unendlichkeit des eignen Wesens Gegenstand.“[2]

Oder: „Das absolute Wesen, der Gott des Menschen, ist sein eignes Wesen.“[3]

Der Materialismus – wie auch später seines Nachfolgers, der historische Materialismus von Karl Marx im Kommunismus – will also letztlich nur die in den Himmel projizierten Wünsche irdisch erfüllen.

Und deshalb geht es eigentlich nur noch darum, den Himmel auf die Erde zu holen, also diese himmlischen Wünsche erdenhaft zu verwirklichen.

  1. Die doppelte Verneinung menschlicher Wünsche im Evangelium

Paulus schreibt über die Gottlosen: „Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt, sammelst du Zorn gegen dich für den Tag des Zornes, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht.“ (Röm 2,5)

Paulus schreibt, dass Gott nicht Wunder noch Zeichen tut, um die Gottlosen zu überzeugen: „Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten.: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“(I Kor 1,21-24)

Wir sehen also, dass Jesus Christus zweierlei gerade nicht tut:

  1. Zum einen erfüllt er nicht die menschlichen Wünsche nach Zeichen und Wundern. Er starb am Kreuz und durchkreuzte geradezu alle menschlichen Wünsche.
  2. Zum anderen dreht er den Spieß um und fordert die Sündenerkenntnis der Menschen, die durch die Predigt von Buße und Reue geschieht.

Mit einem Wort: nicht Gott muss uns überzeugen, sondern wir müssen Gott überzeugen, dass wir Menschen sind, die würdig geworden sind, Gottes Kinder zu werden.

  1. Die Antwort von Ludwig Feuerbach

Wie wir leicht gesehen haben, hat der Materialismus der Kritik des lebendigen Gottes am sündigen Menschen nichts entgegenzusetzen.

Lapidar schreibt Feuerbach: „Der Augustinismus wäre nur dann eine Wahrheit, und zwar eine dem Pelagianismus entgegengesetzte Wahrheit, wenn der Mensch den Teufel zu seinem Gotte hätte, den Teufel, und zwar mit dem Bewußtsein, daß er der Teufel ist, als sein höchstes Wesen verehrte und feierte. Aber solange der Mensch ein gutes Wesen als Gott verehrt, solange schaut er in Gott sein eignes gutes Wesen an.“[4]

Was an Ludwig Feuerbach so furchtbar auffällt, dass er scheinbar die kleinen ‚Details‘ nicht kennt; zu sehr ist er in seinem abstrakten Begriffsgebäude, das von Hegel herkommt, gefangen.

Denn Jesus Christus sagt ganz klar, dass wir Menschen den Teufel zum Vater haben, wenn wir uns nicht bekehren: „Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge.“(Joh 8,44)

Der Materialismus muss grundsätzlich davon ausgehen, dass alles Materielle Gut ist. Und das geht nur deswegen, weil er das Böse nicht kennt – allenfalls ein Ungenügen des Individuums im Verhältnis zu sich selbst.

Feuerbach schreibt: „Die Sünde kann ich als Sünde nur empfinden, wenn ich sie als einen Widerspruch meiner mit mir selbst, d.h. meiner Persönlichkeit mit meiner Wesenheit empfinde.“[5]

Und Gottes Antwort ist eben, die menschlichen Gedanken, also die menschliche Torheit, aufzubrechen – und eben gerade nicht auf unsere allzu menschlichen Wünsche einzugehen.

Der Gedanke Gottes, wir sollten unseren Nächsten lieben, geht tatsächlich nur, wenn wir etwas von uns aufgeben.

  1. Die Antwort Gottes ist sein Zorn über alle Unbußfertigen: die Hölle

Wenn wirklich alle menschlichen Wünsche nur eine Projektion in den Himmel wären, dürfte es eigentlich keine Hölle geben.

Gott antwortet auch hier doppelt:

  1. Wer in den Himmel will, muss die sündige Bosheit als die vollendete Falschheit aller seiner Wünsche bekennen: der Sünder muss seine bösen Träume lassen – und die Wünsche Gottes akzeptieren, nämlich seinen Nächsten lieben.
  2. Wer keine Lust hat seine bösen irdischen Wünsche zu bekennen, kommt also in die Hölle.

Der Materialismus kann also gar nicht verstehen, dass Gott Forderungen an den Menschen hat – und dass das Evangelium die Verneinung der bösen Wirklichkeit des Menschen ist.

  1. Der Materialismus rechnet einfach nicht mit Gott – und ist damit unvernünftig

Ein bisschen muss Ludwig Feuerbach aber dann doch über die katholische Theologie nachdenken, die er „eine höchst merkwürdige“[6] nennt: „Es ist aber hier sogleich wesentlich zu bemerken […], daß je menschlicher dem Wesen nach Gott ist, um so größer scheinbar der Unterschied zwischen ihm und dem Menschen ist, d.h. um so mehr von der Reflexion über die Religion“[7].

In Fußnote 6 zitiert er dann die schöne Bemerkung des Laterankonzils: „‘So groß auch die Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer und Geschöpf gedacht werden kann, die Unähnlichkeit zwischen ihnen muß doch noch größer gedacht werden.‘“[8]

Das scheint mir rein logisch auf der Hand zu liegen: je mehr Ähnlichkeiten ich zwischen Gott und Geschöpf entdecke, umso mehr habe ich gerade das Wesen Gottes nicht erkannt, eben weil ich die innere Einheit aller Ähnlichkeiten in Gott selbst damit gerade nicht erkenne.

Der scheinbar so vernünftige Ludwig Feuerbach scheitert schon an dieser einfachen Denksportaufgabe.

Sollte Gott Recht haben, wenn er im heiligen Apostel Paulus über die Gottlosen sagt: „Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren“(Röm 1,22)?

  1. Proof of the pudding: die Nächstenliebe

In puncto Moral geht er auf die christliche Ethik grundsätzlich nicht ein, sondern meint, dass das Christentum die Welt gerade nicht verbessert hat, sondern vielmehr jede Moralität verhindert: „Es ist gemütlicher, zu leiden, als zu handeln, gemütlicher, durch einen andern erlöst und befreit zu werden, als sich selbst zu befreien, gemütlicher, von einer Person, als von der Kraft der Selbsttätigkeit sein Heil abhängig zu machen“[9].

Und: „Ich lasse einen Platz für meine Lieblosigkeit offen, indem ich Gott als Subjekt denke im Unterschied zum Prädikat.“[10]

Das ist der berühmte Vorwurf des Deus ex Machina: schaffe ich etwas nicht, dann soll doch bitte Gott aus seiner Box springen und maschinengleich die Lücke füllen, die ich nicht schaffe.

Für Ludwig Feuerbach ist also das Können des Guten keine Frage: wir können, wenn wir wollen. Die Christen sind dabei die vollendeten Drückeberger, die könnten, aber nicht wollen.

Die Christen sind also wirklich „Volksschädlinge“, die gnadenlos ausgerottet werden müssen – wie es später die gottlosen Kommunisten in ihrem Reich mit allen anderen zusammentaten: 100 Millionen Menschen.[11]

Natürlich stand dem auch der Nationalsozialismus in nichts nach, der eine Vernichtung von bis zu 65 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg brachte.[12]

Ludwig Feuerbach hat es wirklich nicht nötig auf die Frage einzugehen, ob christliche Nächstenliebe, die auch die Feinde einschließt, nicht höher zu bewerten ist, als jede heidnische Ethik, die nur das Lebende bewahrt.

Lassen wir deshalb am Schluss den großen deutschen Schriftsteller Heinrich Böll antworten: „Die schlechteste christliche Gesellschaft ziehe ich noch tausend Mal der besten heidnischen Gesellschaft vor, denn in keiner wirklich heidnischen Gesellschaft hat es jemals Platz gegeben für Waisenkinder, psychisch Kranke, Arme und Behinderte.“[13]

[1] Feuerbach, L., Vorrede, Wesen des Christentums, Köln 2014, 32.

[2] A.a.O., 49.

[3] A.a.O., 53.

[4] A.a.O., 90.

[5] A.a.O., 89.

[6] A.a.O., 84.

[7] Ebd.

[8] A.a.O., 85.

[9] A.a.O., 262.

[10] A.a.O., 456.

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schwarzbuch_des_Kommunismus

[12] https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges

[13] https://www.deutschlandfunk.de/keiner-hat-ein-verfuegungsrecht-ueber-das-leben-des-anderen.868.de.html?dram:article_id=124519

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