Päpstlicher als der Papst

Wie LifeSiteNews, NCR und Gloria.tv über Petrus berichten würden

Berlin, 30.12.2018

  1. Erleuchtung durch einen Petrus-Film

Neulich, also Heiligabend, versuchte ich nicht mittels alljährlicher musikalischer Dröhnung durch Joh. Seb. B. mir ein ‚Jauchzen‘ zu verlocken. Nein, es war der hinreißende Omar Sharif, der mir eine Frage entlockte: dürfen Päpste in den durchaus wohlverdienten Ruhestand, weil sie letztlich eine Privatsphäre haben?

Grundsympathisch schlurfte Petrus vor fast zweitausend Jahren durch Rom, während Paulus gerade seines Hauptes enthoben ward. Eigentlich wäre jetzt Zeit, wieder nach Jerusalem zu gehen, dachte sich Petrus. Denn bevor er nach Jerusalem wanderte, gab es eine Einspielung, wie ihm die alt gewordene Maria Magdalena die geschwollenen Füße wusch. Damals gab es noch kein Papa-Mobil.

Als ich dann gestern Abend auf dem Stillen Örtchen meiner kleinen Ein-Zimmer-Klause die Zeitschrift mit ‚Th‘ im Namen, herausgegeben vom Rande eines Schweizer Sees, las, in welcher ein Fräulein gar sehr das Buch mit dem Titel ‚Der Diktatorpapst‘ lobend anpries, verschlug es mir zunächst die Sprache – die ich nun wiederfand.

Wie würden wohl die Chefankläger von LifeSiteNews, NationalCatholicRegister und Gloria.tv über einen Galiläischen Fischer namens Petrus schreiben?

 

Hier finden Sie eine Auswahl an Möglichkeiten: lesen Sie selbst!

 

  1. „Mitten im Heidenland: Galilea-Mafia ermöglicht Papst – unter Umgehung des Gesetzes!“

Bekanntlich war der erste Papst ein Fischer aus Galilea, dem Galilea der Heiden[1], weil dort eben auch viele fremdgläubige Nicht-Juden lebten.

Und bekanntlich wurde der erste Heilige Vater gar nicht von den Aposteln bzw. Bischöfen gewählt, sondern kraft göttlicher Verheißung durch Jesus Christus eingesetzt.

Wir vergessen leicht, dass Petrus ein ungebildeter Analphabet war, der wohl als Fischer sogar Sklaven besaß[2].

Wie sollte also einer ein Lehrer in Israel sein, der weder Schreiben noch Lesen kann? Buchstäblich konnte es Petrus also nicht einmal zum Schriftgelehrten schaffen: wie soll er die Schrift auslegen, wenn er sie nicht lesen kann?

Die meisten Reden hielt Jesus im Galilea, erst am Ende seines Lebens ging er hinab in den Süden nach Jerusalem.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass alle Jünger mit dem Wort Jesu an Petrus einverstanden waren.

 

  1. „Verrat an Heiliger Stätte: Petrus verleugnet den Sohn des lebendigen Gottes“

Ganz nah dran – und doch voll daneben. Jawohl, diese Headline ist so wahr wie das Leben. Und doch so falsch, wie Fake News.

Denn in den letzten Nachtstunden verleugnete Petrus seinen Meister tatsächlich – um wenige Minuten später mit dem ersten Hahnenschrei in heißen Tränen zu bereuen (vgl. Mt 26,69-75).

 

  1. „Verrat für Dreißig Silberlinge durch McJudas: Finanzminister und engster Freund des Chefs der Jesus-Leute“

Mitten in den dubiosen Finanzskandalen des Vatikans vergessen wir die offenkundigen Parallelen zur damaligen Zeit. Geld stinkt nicht, oder doch?

Wenn alles wie geölt läuft, riecht das Geld nicht. Nur wenn Gesinnungen eingekauft werden, dann schon.

Jesus selbst hat seine Jünger „Freunde“ genannt, z.B. Joh 15,15. Aber handelt es sich hier um echte Freundschaft im weltlichen Sinne?

Und wäre Petrus gut beraten, wenn er leugnete, was Jesus von allen Aposteln sagte, sie wären seine Freunde?

Manche Dementis sollte man lieber lassen, meine ich.

 

  1. Wann ist ein Papst ein Papst?

Das Urteil des Henry Sire im ‚Dikator-Papst‘ ist vernichtend:

„‘[…] trivial […] im schlimmsten Fall würden sie nur Franziskus totale Inkompetenz in Sachen Reform illustrieren.‘“[3]

Unser derzeitiger Heiliger Vater Franziskus lebt noch und kann Mister Sire umstimmen. Aber ist es wirklich an einem Menschen, den Papst zu richten?

Nun, vielleicht gibt es Menschen, die es gerne tun möchten. Ein Katholik allerdings ist an die Lehre der heiligen katholischen Kirche gebunden.

Solange der Heilige Vater keine Häresie offen ausspricht und dafür von der Kirche verurteilt wurde, ist er der Heilige Vater.

Und die heilige katholische Kirche hat in der dogmatischen Konstitution Pastor aeternus im ersten Vatikanum den Rechtssatz iudicium a nemine fore rectractandum festgehalten:

„das Urteil des Apostolischen Stuhles aber, über dessen Autorität hinaus es keine größere gibt, darf von niemandem neu erörtert werden, und keinem ist es erlaubt, über sein Urteil zu urteilen“[4].

Um die Frage zu beantworten: der Heilige Vater ist der geweihte Kleriker, der aus der Wahl der Kardinäle gültig hervorgeht – auf Lebenszeit, wenn er nicht zurücktritt.

Wem das zu wenig ist, der lese einmal das Evangelium nach Matthäus mit seinen achtundzwanzig Kapiteln. Jesus Christus, der Sohn Gottes, berief Sünder. Punkt.

 

  1. War Petrus ein guter Papst?

Als ich am Heiligen Abend den alten Mann namens Petrus mitten unter den Huren, Zuhältern und Sklaven Roms sah, war ich ungemein stolz auf ihn: wahrscheinlich war es wirklich so – ein alter schwacher, manchmal zweifelnder, ungebildeter Mann läuft mal hier und mal dort hin, aber er tut es für Jesus.

Und wer bisher nicht wusste, ob er ein guter Papst war, der bekommt den Beweis: er hätte fliehen können – und wollte unbedingt gekreuzigt werden, aber von Oben nach unten, anders als sein Meister.

Nur weil er das tat, ist er ein guter Papst gewesen: mit seinem Blut zeugt er davon, dass Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes gewesen ist.

Und er zeigt, wie wahr die Verheißung Jesu an ihn war: „Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“(Joh 21,18)

 

  1. Ist Henry Sire ein guter Christ?

Ich, um nur ein Beispiel aus meinem Leben zu ergreifen, leiste mir so ungefähr, im statistischen Mittel, drei bis vier Beichten im Monat. Man könnte also sagen, so eine in der Woche.

Die Schlüssel des Himmelreiches, das Lösen und Binden, gehören vor allem dem Petrus, der hat die oberste Jurisdiktionsgewalt innerhalb der katholischen Kirche.

Vielleicht sollte Mr. Sire ein Freund Jesu werden – und sich mit Petrus versöhnen?

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Galiläa

[2] Wie Anna Katherina Emmerich im ‚Ersten Lehrjahr Jesu‘ beschreibt.

[3] Theologisches 11/12 (48), 576.

[4] DH 3064.

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