Vom Waisenkind zum Königssohn

Im Wohnzimmer Gottes angekommen

                                                                                                       Berlin, Lätare 2018

Heute genau vor 11 Jahren durfte ich römisch-katholisch werden: nach meiner Bekehrung vor 27 Jahren schon die zweitbeste Entscheidung meines Lebens.

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Vom Waisenkind zum Königssohn: so schön ist eine Bekehrung

Ich weiß noch ganz genau, wie es sich anfühlt, echt gottlos zu sein: wie auf hoher See, den Stürmen der Zeit unterworfen, ohne festen Boden und vor allen Dingen heimatlos.

Für mich ist und bleibt die Umkehr zu Gott nicht einfach der Rettungsanker, der mir Bodenhaftung gab, sondern Gott ist für mich bis heute einfach alles.

Warum ist das so? Weil ich meinem Gott alles sagen kann: die Freuden und die Leiden, einfach alles. Weil ER so schön ist, so unfassbar schön.

Theologisch gewendet will ich es mit der Sprache der Kirche sagen.

 

  1. Una

Mein Gefühl bei der Bekehrung war eindeutig klar: wie der verlorene Sohn aus dem Lukasevangelium (Lk 15) kam ich nach Hause – in meine himmlische Heimat, die genug Wärme für die irdische abstrahlte. Unsere himmlische Heimat steht der irdischen gerade nicht entgegen, sondern macht sie erst wohnlich.

Warum das so ist, will ich kurz erläutern. Unser Gott ist der Eine und Einzige, weshalb die Kirche die una Ecclesia ist. Der tiefere Grund ist der ganz einfache, den jedes Baby begreifen kann: alles ist von ihm und zu ihm und auf ihn geschaffen (steht bei Paulus in Röm 11,36).

Was sagen will: alles Geschaffene ist ein zeichenhafter Verweis auf Gott selbst. Alles Gute zeugt von dem Einen Guten, dem bonum summum, also dem höchsten Gut.

Und weil das so ist, hat jeder einzelne Mensch eine Heimat: das versteht jeder Obdachlose in klirrender Kälte, jedes weinende Kind und jeder zum Tode Geweihte.

Will sagen: wir sind, weil wir ein guter Gedanke Gottes sind – jeder Mensch ist geliebt, weil wir alle von Gott in diese Welt gestellt wurden, ungeachtet unseres Ortes.

Und deswegen erschallt das Gotteslob an allen Orten: auf den Toiletten, in den Krankenstuben und während einer Hochzeit.

Alles führt zu dem Einen – und nur so ist alles gut! Dieser Gedanke ist so tröstlich, denn er ist letztlich die ewige Weisheit von Gottes Vorhersehung.

Alles führt zu dem Einen, denn alles ist von Gott gewollt.

 

  1. Sancta

Mein zweites Gefühl war: ich war endlich wieder ein Kind und durfte mich wie ein Baby über alles neu freuen.

Wie ein Kind war alles zuvor Vertraute ganz neu und anders: von Gottes Licht überstrahlt.

Und: wie in meiner Kindheit hatte ich das große Bedürfnis, Gutes zu tun. Einfach, bescheiden und ohne große Fragerei. Den anderen zur Seite stehen. Die anderen im Guten unterstützen.

Weil Gott unendliche Liebe ist, will ER in Beziehung zu uns treten. Klar: wer liebt, will gerne wieder geliebt werden.

Es ist ein besonders beseligendes Gefühl, Gutes tun zu dürfen: es ist absolut heilig! Kaum ein Gefühl bestärkt uns mehr im Glauben, als genau zu wissen – jetzt helfe ich so gut ich kann!

Darin unterscheidet sich echt katholischer Glaube auch vom Protestantismus: unser Glaube muss zu Werken führen – und die Werke wiederum beleben den Glauben und bestätigen ihn.

 

  1. Catholica

Unser Glaube ist allumfassend, also katholisch, wenn wir niemanden ausschließen. Weil ich von der üblen boshaften Sünde zu Jesus gefunden habe, freue ich mich unbedingt und unbeschränkt, wenn es jedem anderen Menschen ebenfalls gelingt – den Teufelskreis des Bösen zu überwinden.

Auch mein Feind soll sich bekehren dürfen – und ich soll und darf ihm helfen. Das ist die Solidarität der Sünder: jeden Einzelnen mitnehmen und niemanden niemals zurücklassen.

Katholisch sein heißt eben: Gott ist untrennbar für alle da – auch für meine Feinde.

 

  1. Apostolica

Der Glaube an Jesus gründet sich letzten Endes auf alle Menschen, die Jesus ihr ganzes Leben geschenkt haben. Alle Apostel (bis auf Johannes) bezahlten ihren Glauben mit ihrem Blut. Ein Glaube light, ein Lotter-Phantasie-Glauben, will uns das vergessen lassen.

Apostel Jesu zu sein, heißt Jesus in unseren Alltag hineinzutragen: da wird der Wickeltisch heilig und die Fahrerkabine eines LKWs und der Besenstiel im Büro und das Gespräch in der Kantine.

Wer gerettet ist, will davon sprechen, wie schön das ist. Die innere Freude muss zum äußeren Wort werden. Und es ist das Wort, nicht unser Lippenstift oder Facebook-Foto, das unserem Nächsten zum Anstoß wird, über sein Leben nachzudenken.

Der Glaube kommt durch das Hören des Wortes Gottes, denn der Mensch muss zur Ruhe kommen, um nachdenken zu können.

Wie schön ist es also, im Gottesdienst nicht am äußersten Rand der Bank zu sitzen, sondern in der Mitte, damit alle diejenigen gleich sitzen können, die leider zu spät kommen.

Und wie schön ist, im Gebet vor dem Gottesdienst alle mit einzuschließen, die wohl heute einmal kommen, aber dann niemals wieder.

Wir leben unter den Augen der anderen, die auf uns viel aufmerksamer schauen, als uns gerade lieb ist. Wenigstens keinen Anstoß für andere zu sein, muss uns unbedingter Vorsatz sein.

Ja, es unser eigener Glauben ist unsere zu tiefst innerste ureigene Erfahrung: heilig und wunderbar. Aber ein Glaube ohne Werke der Nächstenliebe ist reine Gefühlsduselei.

 

  1. Fazit

Ganzheitlicher als gut katholisch zu sein, ist einem Menschen nicht möglich: niemals hat eine andere Religion Heilige hervorgebracht – so edle, so schöne und so friedvolle Menschen.

Beten wir täglich für unsere katholische Kirche, damit sie noch viel mehr Menschen anzieht und rettet! Amen.

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