Meine Beichte: Privataudienz beim König

Von Angesicht zu Angesicht mit Gott

 

Berlin, 2.März 2018

Besser können wir es als Christen nicht haben: jeder Priester ist ein Stellvertreter Gottes vor Ort bei uns, der in persona Christi sein Amt versieht. Wer den Priester sieht, sieht also Gott.

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Meine Beichte – eine Privataudienz beim König
1. Meine Bekehrung
Ich bin als Baby getauft worden, wie so viele andere auch. Und ich habe danach niemanden gehabt, der mir etwas von Gott erzählt oder mich in einen Gottesdienst geschleppt hätte. Vor 25 Jahren erlebte ich Gottes Einladung mit 25: eine sanfte Stimme des Gewissens, die mich mahnte, den Weg der Liebe zu gehen und die Gebote Gottes einzuhalten. Ich trat wieder in die evangelische Kirche ein und begann mein Theologiestudium.

2. Sicht eines evangelischen Theologiestudenten
Während des Studiums interessierte mich die Beichte gar nicht: ich war regelrecht stolz darauf, mich unmittelbar an Gott wenden zu können, ohne jede Vermittlung. Mit Luther meinte ich, dass es bei der Beichte nur um den verlängerten Herrschaftsarm des Papstes geht, der die armen Schafe knechtet, damit sie ihm nicht davon laufen. Befreiung aus der ‚Babylonischen Gefangenschaft‘ hieß das theologisch: weniger Priestergewalt, mehr Freiheit eines Christenmenschen.

3. Eintritt in die katholische Kirche
Nachdem die evangelische Kirche jedes Vertrauen verspielte, weil sie sogar homosexuelle Partnerschaften segnen wollte, was es in der Kirchengeschichte bis heute noch nicht gegeben hat, trat ich vor 9 Jahren in die katholische Kirche ein. Zehn Jahre lang hatte ich gezögert. Als guter Lutheraner gab es kaum katholische Anschauungen, die ich nicht geteilt hätte. Besonders der gute ‚Panzerkardinal‘ Ratzinger lag mir sehr am Herzen. Nur machte ich viele Dutzend Mal den Praxistest und stellte immer das Gleiche fest: laue Priester und verlotterte Gottesdienstbesucher, die nicht nur zu spät kommen, sondern auch viel zu früh gehen.

4. Meine erste Beichte
Und ich sollte beichten. Was ich auch flugs tat. Ich weiß noch, wie ich mir vorher gar keine großartigen Gedanken machte, sicher nicht unbedingt sinnvoll. Aber ich weiß noch das Danach: Befreiung ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Wirklich Gnade, wirklich mehr Gnade, als meine kleinen Gebetlein. Wirklich Jesus, Jesus in Gestalt des Priesters. Und ich wurde süchtig.

5. Der wohl einzige Berliner, der jeden Sonntag beichten geht
Ich beichte sonntags vor der Heiligen Messe gleich neben der heiligen Hedwig, der man ihre hölzernen Insignien aus den Händen entwendet hat, und neben dem lieben Kardinal Bengsch; denn ich darf die große Freitreppe in die Katakomben (Unterkirche) nehmen und sozusagen die Gemeinschaft der Heiligen live erleben, weil die toten Bischöfe dort unten mit dabei sind. Ich freue mich jeden Sonntag darauf, meinem himmlischen Vater die kleinen Sündlein zu bringen – in jedem Fall mein Vertrauen in ihn und seine Knechte.
Stephan Gröne, Berlin-Steglitz

6. Überlegungen eines Hobbytheologen
Das Sakrament der heiligen Beichte ist wohl tatsächlich recht spät entstanden, über den Umweg der irischen Missionare nach Kontinentaleuropa. Das braucht uns nicht ärgern oder zweifeln lassen. Als Laie meine ich: Jesus lehrte uns das Vaterunser, in welchem wir unsere Sünden vergeben lassen und umgekehrt selbst Sündern vergeben sollen. Schon früh übergab er Petrus die Schlüsselgewalt, weil er wusste, dass er die Erde gen Himmel verlassen würde. Da haben wir die Begründung der Beichte in nuce. Jeder weiß, was Sünde ist. Und jeder braucht einen Ort, um dieser Sünde Herr zu werden. Was liegt näher, als die Stellvertreter dieses Herrn aufzusuchen?

7. Warum beichten?
Die katholische Statistik für das Erzbistum Berlin ist schockierend: nur 10,3% der Katholiken feiern den Gottesdienst mit, nur ein Bruchteil dürfte also zur Beichte gehen. Wir können annehmen: knapp 90% der Christen haben wohl nicht die gute Ausrede, gerade schwer krank oder auf Reisen zu sein. Noch nie also hat es in der Geschichte des deutschen Christentums eine solche Kluft zwischen der Möglichkeit zur Beichte und dem Wunsch, lieber Todsünder zu sein (was derjenige ist, der nicht einmal im Jahr beichten geht) gegeben. Obwohl ich seit 9 Jahren katholisch bin, habe ich noch nie (!) eine Predigt über die Sünde (was sie ist) oder über konkrete Sünden wie das Gender-Mainstreaming, Ehebruch, Homo-Ehe etc. gehört. Kein Wunder, dass die Christen nicht beichten: warum sollten sie?

8. Gute Gründe für die Beichte a. Wer beichtet, begegnet Jesus! Nicht nur die heilige Faustyna wusste das in ihrem wunderbaren Tagebuch zu beschreiben. b. Sünde macht dumm! Wer sich nicht selbst als lächerlichen Spielball der Umstände sehen möchte, darf Ursache und Wirkung erkennen – Sündenerkenntnis ist vernünftig. c. Sündenbekenntnis ist Ich-Stärke! Woher nehmen denn die Heiligen und Märtyrer ihre Stärke? Sicher vor allen Dingen aus der Freude an Gott. Aber auch aus der wachsamen Selbsterkenntnis um die eigene Schwäche. d. Wahrheit macht frei! Wer seine Sünde bekennt, beendet die Bindungen an die Welt; wir alle wissen doch auch, wie andere gerne über uns herrschen, weil sie unsere schrecklichen Geheimnisse zu kennen meinen. e. Demut ist Mut zur Wahrheit! Diese Erkenntnis der lieben Schwester Faustyna bereitet allem ängstlichen Zagen ein Ende; nicht die Angst vor dem Beichtvater oder dem Gesehenwerden vor und neben dem Beichtstuhl ist die Gefahr, sondern dem himmlischen Vater unser Vertrauen bzw. unsere Sünden nicht zu bringen. f. Regelmäßige Freude für Priester und Welt! Unsere Sünde ist öffentlich bzw. hat Folgen für die Welt. Erfreuen wir die Priester und geben ihnen etwas zu tun, indem wir ihre Arbeit in Anspruch nehmen – und zeigen wir uns gerne dabei.

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