Maria wollte keine Ökumene mit Edom

Verbum Domini ad Mariam: die Ökumene mit Edom heute

 

Ein weiterer Beitrag für das kath.net-Buchprojekt ‚Wort des lebendigen Gottes‘.

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Berlin, 4.Juni 2018

  1. Vorwort

Am Anfang meines Übertritts stand eine ganz schlanke Marienfigur aus Lindenholz. In meiner protestantischen Unkenntnis meinte ich, sie wäre ein Engel, was ja nicht ganz falsch ist.

Je mehr ich über sie nachdenke, umso mehr merke ich: sie vedient alle Ehre, nur darf sie nicht das lächerliche Feigenblatt-Schlusslied von verschwurbelten Gottesdiensten sein.

Maria kann man nie genug ehren, wie der Heilige Bernhard von Clairvaux mit allen Heiligen meinte: De Maria numquam satis.

Ich will vom Anfang des Wortes Gottes im Neuen Testament sprechen: Maria. Wer es noch nicht weiß: die prophetische Selbstvorhersage im Magnificat, wonach „alle Geschlechter“(Lk 1,48b) Maria preisen werden, hat sich in aller Stille mächtig vollzogen, obwohl von Maria gewaltig wenig im Neuen Testament die Rede ist. Mit einem Wort: die Marienverehrung ist ein Gottesbeweis ersten Ranges, denn wenn der eigentliche menschliche Faktor ohne jede Eigenwerbung auskommt – woher kommt dann der Erfolg, wenn nicht durch höhere Gewalt?

 

  1. König Herodes und Maria

Und wer das Wort des lebendigen Gottes verstehen will, muss von Maria lernen, der Mutter des lebendigen Sohnes Gottes. Wer die katholische Kirche verstehen will, muss Maria verstehen.

Maria war eine blutjunge Jungfer von vielleicht vierzehn Jahren, die sich in den kühlen Gemäuern des Herodianischen Tempels für Gott aufhob. Sie tat dies nach dem Gesetz des Herrn für Naziräer, wie es Mose in seinem vierten Buch, Kapitel 6, beschrieb, das auch für Frauen galt. Keusch und züchtig lernte sie Demut durch die Worte Gottes im Alten Testament: der Thora, den Propheten und den Weisheitsbüchern.

Sie lernte von der Verheißung, die so gewaltig beim Propheten Jesaja in seinen drei Teilen aufleuchtete: wer war wohl die Jungfrau, die ein Kind bekommen soll?

Denn der größte der Propheten des Alten Bundes schrieb in seinem 7.Kapitel: „Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“(V.14)

Und dann die gewaltige Weissagung desselben Propheten im dreiundfünfzigsten Kapitel: „Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht, er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab.“(V.10)

 

Wer war wohl der Gottesknecht, der so schrecklich als Sühneopfer für die Sünden leiden sollte?

Wir müssen verstehen, dass Israel keinen rechtsgültigen König hatte, weil Herodes als Edomiter zwar dem Judentum als Religion anhing, aber kein geborener Jude war und das Wort Gottes galt: „Nur aus der Mitte deiner Brüder darfst du einen König über dich einsetzen“. (Dtn 17,15)

Die politische Lage war also prekär: hatte nicht Gott seinem Volk Israel verheißen, es würde immer einen König aus dem Hause Davids haben?

So jedenfalls steht es im zweiten Buch Samuel im 7.Kapitel geschrieben: „Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand haben.“(Vers 16)

Gott ist der Gott, der sich in Seinem Wort unverbrüchlich mitteilt. Kann der Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, lügen und trügen? Niemals.

Man muss wahrlich keine fromme Tempeljungfer sein, um zu begreifen, dass der Eine Gott nicht lügen kann.

Und doch hilft es ungemein, fromm zu sein und die steinerne Erinnerung des Davidischen Erbes um sich zu haben, um den politischen Wirren tapfer entgegenzutreten.

Woher also sollte der verheißene König kommen, so mag sich das kleine hübsche Mädchen namens Mirjiam gefragt haben: vielleicht durch mich, bin ich doch aus dem Geschlecht Davids und eine unbefleckte Jungfrau?

Von Maria können wir viel lernen, besonders aber die eine Frage: was hat das Lebendige Wort Gottes als Offenbarung des Einen Herrn mir heute zu sagen?

 

  1. Maria und der Hohepriester Annas

Der furchtbare König Herodes war nicht nur kein rechtmäßiger jüdischer König, sondern vergriff sich auch am Priestertum, denn er setzte die Hohepriester nach Belieben ein und ab, obwohl das Amt erblich war und erst mit dem Tode des amtierenden Hohepriesters endete.

War also der derzeitige Hohepriester namens Annas, der nach dem rechtmäßigen willkürlich von Herodes eingesetzt wurde, der richtige?

Und was hatte dieses mit der alten Weissagung aus dem fünften Buch Mose im 18.Kapitel zu tun, wonach es einen neuen Bund mit einem neuen Gesetzgeber geben würde, der auf Mose folgte: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen.“(V.15)

 

  1. Schrift und Tradition

Die ellenlange Diskussion von Schrift als Kanon der Bibel gegenüber der Tradition als lebendige Auslegung des biblischen Kanons ist letztlich fruchtlos. Genau analog ist die lächerliche Frage, wer zuerst war: die Henne oder das Ei?

Klug ist die Antwort des größten Konzils der katholischen Kirche nach der Reformation, dem neunzehn Jahre lang, mit Unterbrechungen, tagenden Tridentinum: „in geschriebenen Büchern und ungeschriebenen Überlieferungen“(in libris scriptis et sine scripto traditionibus; DH 1501). Dies kann nur heißen: die Henne und das Ei sind gleichzeitig – so wie das Ei ja zur gleichen Zeit in der Henne sein muss!

Was will uns diese eigentliche Banalität sagen? Ein ‚und‘(et) rettet die katholische Kirche vor den Bilderstürmen des Protestantismus? Wie das?

Ganz einfach: die schönste Wahrheit der katholischen Kirche ist eben die gleiche wie im ewigen Wort in Maria. Das Wort des lebendigen Gottes ist nicht ein toter Buchstabe in verstaubten Büchern, sondern der Christus praesens in der Kirche selbst: Christus lebt in der Kirche nicht als erinnertes Totes, sondern als jetzt sprechender Christus vivens.

Jesus ist also nicht ein totes Schnipsel voller Buchstaben, sondern der lebendige Herr, der in seiner Kirche spricht.

Was damit gemeint ist, will ich anhand des Wortes des lebendigen Gottes im Johannesevangelium ausdrücken.

 

  1. Die Kirche ist das lebendige Wort Gottes in Seiner Geschichte nach Johannes

Die Offenbarung ist in dem Einen Wort Gottes, Jesus Christus, einmal ergangen und im Kanon unwiderlegbar festgestellt. Und doch: das Verständnis des Wortes Gottes ist in der Geschichte wandelbar.

Es ist nicht so wandelbar, dass aus einer Mücke ein Elefant wird, aber doch so, dass in einem gewaltigen Felsmassiv auch Mulden, Wiesen und Bäche erkennbar werden. Die neue Erkenntnis des Einen wandelt nicht zur Gänze das andere, sondern präzisiert es.

Und das ist das Wirken des Geistes Gottes in der Geschichte der Kirche. Der Evangelist Johannes nennt uns in seiner Abschiedsrede folgende Worte Jesu im 16.Kapitel: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“(12. 13a)

Am Wunderbarsten kann man dies sicher in der Geschichte der Kirche selbst sehen: niemals in der Menschheitsgeschichte hat es eine Institution gegeben, die so lange so unterbrochen und so stark bestanden hat.

Es ist die katholische Kirche, die in ihrer übergroßen Einheit selbst bezeugt, wer in ihr wohnt: sie selbst ist das Wort des lebendigen Gottes!

Mal ehrlich: wenn die Kirche das Königreich Gottes ist, wie es Jesus von ihr vorhergesagt hat und der Evangelist Lukas im 17.Kapitel, Vers 21, überliefert, dann war diese Reich noch nie so groß wie gerade heute: knapp 1,2 Milliarden Katholiken innerhalb von insgesamt knapp 2,3 Milliarden Christen. So viele Christen gab es noch nie in der Kirchengeschichte: Halleluja!

 

  1. Maria hatte also Recht

Maria gab sich dem Höchsten in ihrem Fiat als Seine Magd hin: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“(Lk 1,38b)

Sie glaubte dem Buchstabenwort des Alten Bundes – und schloss mit Gott einen Vertrauensbund, aus dem der Neue Bund wurde.

Und das Gleiche – ganz genau das Gleiche – tun wir Katholiken, wenn wir an Gott glauben: wir werden zu Kindern des lebendigen Gottes und sagen die Worte des Lebendigen Gottes weiter.

In der Kirche sind wir in der Gemeinschaft mit dem Einen Wort Gottes und ein Leib mit ihm: so können wir Normalos auch mit ganzem Recht sagen: der Christus praesens, da sind ja wir alle!

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