Wer die dubia bejaht, ist mit dem Anathema belegt

Wer die dubia bejaht, ist mit dem Anathema belegt

  1. Was ist ein Anathema?

Ein Anathema ist ein griechisches Wort, das auf Deutsch ‚Bannfluch‘ lautet. Es ist ungefähr das Gegenstück zur Seligpreisung.

Das Verwerfen von Irrlehre gehört zu den vornehmsten, wenn nicht wichtigsten Handlungen der heiligen ökumenischen Konzile: neben der bekräftigenden Wirkung der positiven Umschreibung rechter Lehre, werden die Abirrungen mit dem denkbar schlimmsten bezeichnet: dem Fluch.

Wer von der Kirche verflucht ist, wird also quasi zum zweiten Mal aus dem Paradies vertrieben. Die Kirche mit ihren wirkmächtigen Sakramenten ist der Machtbereich Gottes. Außerhalb von ihr müssen die weiterleben, die nicht mit Jesus in Gemeinschaft stehen dürfen.

Das sind die Exkommunizierten: zu ihrem eigenen Schutz finden sie sich außerhalb des Geltungsbereiches der Sakramente wieder, dazu weiter unten mehr.

Denn die Sakramente schenken Leben – und sind nicht billige Tandware, sondern ein zweischneidiges Schwert: zum Heil für die einen, zur Verdammnis für die anderen.

 

  1. Paulus bekräftigt seine Lehre mit Anathemata

Der heilige Apostel ist der einzige neutestamentliche Zeuge, der Anathemata nutzt, nämlich an fünf Stellen seiner Briefe. Ihm ist seit dem vierten Jahrhundert die Kirche gefolgt.

Paulus sagt über die Liebe zu Jesus, die zum Glauben wesentlich hinzugehört:

Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht!(I Kor 16,22a)

Die gute Lehre ist hier das Zusammenwirken von Glaube und Liebe; es ist die Liebe zu Gott, die dem Glauben an ihn, sein Für-wahr-Halten, die Richtung gibt.

Wer also Jesus nicht liebt, glaubt nicht; das ist der Umkehrschluss, der daraus zu ziehen ist. Diese Sätze in deutlichen Worten sind für den Glauben wesentlich: so können wir darüber nachdenken, wie wir leben. Nur so können wir Lehre und Leben überprüfen, also sichtbares äußeres Handeln mit unserem Seelenleben in eins bringen.

Die paulinischen Bannflüche haben nichts mit Zauberei zu tun: jeder kann feststellen, wo er steht, wenn er seine Vernunft gebraucht und seine Taten an dem Gesetz Christi misst.

 

  1. Die Eucharistie: Ambrosia für die Frommen, Gericht für die Sünder

Der Völkerapostel hat ein eindrückliches Verständnis des wichtigsten Sakramentes auf unserem irdischen Pilgerweg: Jesus selbst wacht im Verborgenen über seinen Leben.

Paulus schreibt:

Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige schon entschlafen.(I Kor 11,29f)

Merken wir auf: körperliche Schwäche und Krankheit, ja sogar den Tod, führt Paulus auf das unwürdige Empfangen des hochheiligen Sakramentes zurück.

Das Gericht Gottes findet jetzt schon statt. Da muss ich in Berlin nur die Augen öffnen – und eine einzige Wüstenei gähnt mir entgegen: Todeschatten allüberall.

 

  1. Paulus vertraut der laienhaften Vernunft

Nichts liegt dem Apostel mehr fern: keine pastoralen Programme legt er auf, um seine Schafe einzulullen. Nein, er geht davon aus, dass jeder neugetaufte Heidenchrist das einfachste theologische Programm schon immer in seinem Herzen verstehen kann:

„Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden?“(I Kor 6,9a)

Und was Ungerechte sind, führt er sogleich auf:

Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben.(I Kor 6,9b.10)

Wohlgemerkt: der Völkerapostel zählt hier nur Todsünden auf – und unterstellt damit, dass seine lieben Schäflein wissen, was das ist.

Oh ja, das wissen sie, denn Paulus schreibt: „Und solche gab es unter euch.“(I Kor 6,11a)

 

  1. Anathema ist reine Gnade und Schutz für den Todsünder

Der heilige Apostel unseres Herrn Jesus, bei den Kirchenvätern heißt er bewundernd immer hoc Apostolus (der Apostel), bringt ein beredtes Beispiel wie das Anathema, also der Kirchenbann, für einen Todsünder heilsam sein kann.

Es geht um eine besonders schwere Sünde, Ehebruch mit Blutschande:

dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt.(I Kor 5,1b)

Paulus empfiehlt hier den Ausschluss aus der Gemeinde während des Gottesdienstes:

Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird.(I Kor 5,4f)

Wer sich selbst also das Gericht trinkt und isst, indem er unwürdig Leib und Blut isst und trinkt, der spricht sich selbst das Gericht – und verwirkt das ewige Leben.

Wer aber die Gnade hat, eine verantwortungsvolle Gemeinde zu haben, die ihn davor bewahrt, weil sie ihn aus der Gemeinde ausschließt (!), dessen Seele wird für das ewige Leben bewahrt.

Denn: wer daran gehindert wird, sich am Göttlichen zu vergehen, nämlich an den Sakramenten, hat eine Chance auf das ewige Leben!

 

 

  1. Die Anathemata des Trienter Konzils sind weiterhin gültig

Weit davon entfernt, alt und verstaubt zu sein, scheinen die Bannflüche vor mehr als vierhundert Jahren aktueller denn je zu sein.

In den ökumenischen Erklärungen, z.B. mit den Lutheranern, wird nur betont, dass die Bannflüche die heutigen Gemeinschaften nicht trifft, weil sich ihre Lehre geändert habe; da ein ökumenisches Konzil niemals fehlgehen kann, ist es ausgeschlossen, dass die Lehrverurteilungen zurückgenommen werden könnten.

In Geltung ist also zum Beispiel der Kanon 11 des Dekretes über die Eucharistie:

Wer sagt, allein der Glaube sei eine hinreichende Vorbereitung für den Genuß des Sakramentes der heiligsten Eucharistie: der sei mit dem Anathema belegt.(Denz 1661)

 

  1. Kanon 7 zur Buße: wie für heute geschrieben

Noch deutlicher sagt es Kanon 7 über die Buße:

Wer sagt, beim Sakrament der Buße sei es zur Vergebung der Sünden nicht nach göttlichem Recht notwendig, die Todsünden samt und sonders zu bekennen, an die man sich nach gehöriger und sorgfältiger  vorheriger Überlegung erinnert, auch die verborgenen und diejenigen, die gegen die zwei letzten Vorschriften der Zehn Gebote gerichtet sind, mitsamt den Umständen, die die Art der Sünde verändern; sondern dieses Bekenntnis sei nur zur Erziehung und Tröstung des Büßenden nützlich und sei einst nur im Gebrauch gewesen, um eine kanonische Genugtuung aufzuerlegen; oder sagt, wer alle Sünden zu bekennen trachte, wolle der göttlichen Barmherzigkeit nichts zum Verzeihen übriglassen; oder schließlich, man dürfe keine verzeihlichen Sünden bekennen; der sei mit dem Anathema belegt.(Denz 1707)

Es fällt nicht schwer, hier die verworfenen Einwände des 8.Kapitels von Amoris laetitia zu erkennen – vom 25.November 1551!

 

  1. Trient und der Heilige Vater

Wenden wir die kirchliche Lehre vom Anathema auf unsere heutige Lage an, so müssen wir sagen: einer, der den Dammbruch nicht nur zulässt, sondern herbeigeführt hat, muss vor sich selbst bewahrt werden.

Die Kirche muss sprechen – und die Seelen bewahren: zuerst unseres lieben Heiligen Vaters in Rom, so dann mit allen armen Schafen in Argentinien, Malta und der Erzdiözese in Rom selbst – überall dort, wo Seelen ewig verloren gehen müssen, weil die Hirten verblendet und Irrlehren wiedergekehrt sind, die längst verworfen worden sind.

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